Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 1-2 (1904.None.1903)
- Article
- Die Geschichte einer Hilfsaktion
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
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— 28 - Ich hatte in Boryslaw, ebenso wie in Rumänien und anderwärts wiedergegeben, was mir in Cypern gesagt worden war. Die Cyprioten verdienten bei den Wasserwerken von 1—3 Shilling per Tag. Ich hatte die Unternehmer damals gefragt, ob man 2 Shilling als Durchschnitt ansehen könnte, oder ob dieser Satz nur von verhältnismässig wenigen, den Aufsehern etwa, erreicht werden könne. Man antwortete mir, dass viele cypriotische Arbeiter da wären, die 2 Shilling und mehr als Durchschnitt verdienten . — die meisten freilich seien faul. Ich habe also überall erklärt, man könne rechnen, dass ein fleissiger und kräftiger Arbeiter bis zu 2 Shilling per Tag verdienen würde. Diese Angaben machte ich in Galatz vor dem Zentral-Komitee und den Boryslawern in Gegenwart ihres Bürgermeisters, des sie untersuchenden Arztes und einiger Herren vom dortigen Hilfskomitee. Um Missverständnissen vorzubeugen, wurde ihnen alles, was ich sagte, nochmals klar und deutlich vom Bürgermeister wiederholt. Auch die Verpflichtungen, die das Komitee ihnen gegenüber auf sich nahm. Hier in Cypern erklärten sie, man habe ihnen einen Lohn von 4, einigen sogar 5 Shilling versprochen. Die Rumänen, die zu Hause Kaufleute, Handwerker etc. gewesen waren, fingen in Cypern mit einem Durchschnittsverdienst von 1 Frc. an, hielten nach 3 Wochen bereits bei l1/2 Shilling — gleich-, falls als Durchschnitt — (diese Ziffer wurde mir von den Unternehmern bestätigt) und, wie ich brieflich erfahre, sind inzwischen mehrere von ihnen auch auf 2 Shilling gekommen. Meine Angaben fanden sich also für weit weniger arbeitsgewohnte Leute bestätigt, als die Boryslawer es nach ihrem Renommee — aber auch nach den Schwielen an ihren Händen — sein mussten. Angesichts der ihnen ,,versprochenen*4 4—5 Shilling Lohn sprachen die Boryslawer natürlich von ,,Verrat" und ,»drohten" — in den erregteren Momenten unserer Unterhaltung —-"mit allen möglichen Dingen, falls man sie nicht „sofort", wie versprochen, zurücksenden würde. Einer wollte auf das nächste Schiff gehen und, wenn dasselbe ihn nicht mitnehmen würde, sich ins Meer werfen. „Ich bin Soldat gewesen/' sagte er, „ich habe Courage genug." Ein anderer fand diesen Ausweg sehr nachahmenswert, ein Dritter schlug vor, zum Konsul zu gehen und sich zu beklagen, einem Vierten war der Konsul keine genügend hohe Instanz. Er wollte bis zum „Franz Joseph" gehen, um festzustellen, wer an dem „Verrat" schuld sei. Ein anderer wieder wollte, wenn er je wieder nach Hause käme, seinem Schwager, der ihn überredet hatte, nach Cypern zu gehen, „schon zeigen".....Noch einer, der weniger entschlossen war, wollte „nur noch einmal seine Frau und Kinder sehen und dann sterben."