Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 2 (1903-1904)
- Issue
- Heft 1-2 (1904.None.1903)
- Article
- Die Geschichte einer Hilfsaktion
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
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— 27 — ist, den dürfte folgendes überzeugen: Nachdem die Leute am Freitag beschlossen hatten, Sonnabends nach Larnaca zurückzukehren, handelte es sich ja wieder um die Unterkunft für diese Nacht. Die Arbeiter zogen es aus freien Stücken vor, wieder im Freien zu schlafen, als aus „eigener Tasche" (.das Geld, das sie darin hatten, hatte ich ihnen für die nötigen Ausgabeil gegeben) für ihr Nachtquartier zu bezahlen. Man hatte von ihnen für dasselbe einen Shilling verlangt. — Einen Shilling, also 60 Kreuzer, für alle Neun!!! Man sieht also, wie falsch das Mitleid hier angebracht wäre. Weiter klagten sie, sie könnten das dortige Brot nicht essen. Ich habe diesen nützlichen Artikel in Boryslaw und Cypern gekostet und finde keinen prinzipiellen Unterschied. Das cyprische Brot ist ein sehr dunkles Weizenbrot von ganz vorzüglichem Geschmack, für mich persönlich wünsche ich kein besseres. Dann klagten sie über die kleinen Fliegen, die gekommen wären (nicht" Mosquitos!), diese allein hätten das Arbeiten unmöglich gemacht. „Was soll man zuerst machen, fragten sie, die Fliegen aus dem Gesicht wischen oder arbeiten?" Ich fühlte mich nicht kompetent genug, ihnen einen Rat zu geben, und antwortete mit der Frage: wie es die Rumänen machen? „Ja, die binden sich ein Tuch um den Kopf wie die Cyprioten." Und warum könnt Ihr das nicht? fragte ich zurück. .,Wir können das nicht — die Rumäner sind andere Menschen wie wir." (Diese neue Theorie der Rassenverschiedenheit zwischen rumänischen und Boryslawer Juden war schon bei der Brotfrage aufgetaucht und wurde später noch mehrmals verwendet. Uebrigens haben sie auch die Luft nicht atmen können, ein weiterer Grund für das oft wiederholte Argument, Cypern sei kein Land für sie. Dass ich, sowie die rumänischen Arbeiter und die jüdischen Kolonisten auf Cypern doch so ziemlich dieselbe Luft atmeten, machte keinerlei Eindruck auf sie. Sie erklärten weisheitsvoll, dass sie nicht so weit gehen wollten, zu sagen, Cypern sei überhaupt kein Land, sondern „nur", es sei kein Land für sie! Weiter beschwerten sie sich, dass sie nicht alle Tage Fleisch haben könnten, wie sie es in Boryslaw bis zum letzten Tage halten. Es sei kein Schochet da (der nächste wohnte in Famagusta, 2 Stunden weiter), auch seien keine Frauen da, die für sie kochen würden. Sie schienen erstaunt zu sein, ihre Familien, die das Komitee inzwischen in Boryslaw unterstützte, nicht plötzlich in Cypern vorzufinden. Dann war auch der Ort, wo an diesem Freitag gearbeitet worden war, zu weit von dem Dorfe, wo sie wohnen sollten und vieles andere mehr. Ein Kapitel für sich war die Lohnfrage.