Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Olivenbau für Palästina
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 212 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 212 — Die Geschichte des Oelbaumes ist so alt wie die des Menschen. Er ist auch speziell einer der typischsten und dabei der vornehmste unter den Bäumen Palästinas. Als die Bäume — in dem schönen Gleichnis des Jotam — einen König wählen wollten, gingen sie zuerst zum Oelbaum. Seine Frucht bildete einen bedeutenden Teil des Reichtums des hl. Landes und war neben dem Feigenbaum und Weinstock das Bild des Wohlstandes und bürgerlichen Glückes. Es wimmelt in der Bibel von Hinweisen auf die Bedeutung des Oeles im täglichen Leben unserer Vorfahren, die es zur Bereitung der Speisen, bei den Opfern, als Brennöl und zum Salben des Haares sowie des ganzen Körpers benutzten. David und Salomo beförderten seinen Anbau, und bis in die neueste Zeit machten sich Krieg und Friede in diesen Gegenden vor allem bemerkbar in der Zerstörung oder Neupflanzung der Oelgärten. In der neuesten Zeit haben die Verwendungsarten der Produkte des Oelbaumes noch bedeutend zugenommen. Vor allem wird das Oel zur Fabrikation von Seife verwendet, ausserdem in der Textilindustrie, als Maschinen-Oel und zu vielen anderen Zwecken ausser den von alters her üblichen. Dass das Olivenholz sich vorzüglich zu Schnitzereien, Stöcken und Möbeln — die schlechten Teile zu Brennholz — das Holz einiger Arten sogar als Bauholz eignet, ist bekannt. Besonders leben nicht wenige Juden Jerusalems von der Herstellung von Schnitzereien aus Olivenholz, Vor allem aber ist auf den stetig zunehmenden Bedarf an Oel und auch ganzen Oliven als Nahrungsmittel hinzuweisen, der sich immer mehr auch nach Ländern ausdehnt, wo sein Gebrauch bisher tast unbekannt war. Ganz besonders eignet sich aber die Olivenkultur für die j üdisc h e n Kolonisationsbestrebungen in Palästina, weil dadurch — bei den grossen Schwierigkeiten einer Vergrösserung sowohl des Landbesitzes als der Seelenzahl — eine bessere Ausnutzung des bereits in jüdischem Besitz befindlichen Landes und vor allem eine Arbeitsgelegenheit für sehr viele Menschen ermöglicht wird. Zum Oelbau eignet sich nämlich selbst der ärmlichste Boden, sogar die Felshänge, die sonst zu nichts zu brauchen sind. Bewässerung ist nicht unbedingt nötig. Die folgenden Abschnitte behandeln die Erfahrungen, die man in den verschiedensten Ländern mit Oelbau gemacht hat, und es wird sich dabei ergeben, dass bei Zuhilfenahme moderner Methoden eine Ernte sehr viel früher zu erwarten ist, als es nach den früher allgemein gehegten Anschauungen der Fall war. Die lange Zeit zwischen dem Pflanzen und der ersten Ernte — nämlich 8—12 Jahre — die bei den alten Methoden sich ergaben, — war der Grund, weshalb nicht schon früher in grossem Massstabe Oel angebaut wurde, trotz des grossen Vorzuges eines stetigen Marktes und leichter Bearbeitung, welchen diese Produkte aufzuweisen haben. Nachdem ich im folgenden die Wirkungen der neuen Methoden gezeigt haben werde, wird es die Aufgabe eines künftigen Artikels sein, einen Genossenschafts-Plan darzulegen, mittels dessen durch kleine Zahlungen jeder einzelne, dem es Ernst um die Sache ist, sich an einem Werke beteiligen kann, durch das er seine eigene Zukunft,