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Palästina · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Bericht über eine Informationsreise nach Saida
Date
1902-05-01
Page
Seite 209 (sequence 7)
Language
German
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— 209 — Fall ist. Giebt es doch jetzt nur wenige jüdische Familien in Saida, die mehr als 20 bis 25 Piaster per Woche, d. i. 3y2 bis 41/2 Frcs., erwerben und glücklich sind, wenn sie Arbeitsgelegenheit finden. Denken wir uns nun aus, dass auf dem projektierten Gute 40 bis 50 jüdische Arbeiter je 0,75 bis 1,25 Frcs. täglich erwerben könnten, so wird es deutlich, dass eine solche Hilfsaktion für die Juden Saidas in der That segensreich werden könnte. Um so viel Arme beschäftigen zu können, wird man einen stark intensiven Betrieb einführen müssen, was auch durch die Nähe der zwei Städte, Saida und Beirut, sowie durch die allgemeine steigende Entwickelung Syriens gerechtfertigt erscheint. Die zu schaffende Wirtschaft wird dem Gemüsebau, der Obstbaumzucht, der Maulbeerbaumkultur und der damit verbundenen Seidenzucht, sowie der Molkerei ihre Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Die Fruchtgattungen sind schon durch die Praxis der Gegend angezeigt. Auch könnte man noch Reben zwecks Produktion von Tafeltrauben und Rosinen einführen. Es käme weiter die Kultur von Handelspflanzen, Tabak, Baumwolle etc., in Betracht. Die jüdischen Arbeiter würden auf dem projektierten Gute die rationellen Methoden kennen lernen, welche sie alsdann weiter ins Land tragen werden, wenn sie nachher anderwärts, auch in nicht jüdischen Gärten und Gütern beschäftigt werden sollten. — Wir wiederholen es noch einmal — die Rentabilität des Betriebes muss conditio sine qua non des Unternehmens sein. Der jüdischen Bevölkerung Saidas uns zuwendend, der wir einen längeren Besuch widmeten, machen wir zuerst auf die ungeheure Armut und Unbildung aufmerksam, in der die Leute leben. Die Judengasse, Haret-el-Jahud, ist der schmutzigste Stadtteil Saidas. Es ist unbegreiflich, wie Leute, in solchen Bedingungen lebend, bei dem subtropischen Klima Palästinas, doch noch gesund bleiben können. Brot, gesunde Luft, sowie ein gewisses Mass von Bildung müssen die Leute haben, um eine menschenwürdige Existenz zu erreichen. Ebenso wie gesunder Arbeitsgelegenheit, bedarf die jüdische Bevölkerung Saidas einer Schule. Während aber die Gründung einer Schule seitens der Alliance Israelite Universelle von den Leuten freudig erwartet wird, können sie sich nicht einmal vorstellen, dass es eine Möglichkeit geben kann, ihre materielle Lage durch gesunde, vernünftige Arbeitsgelegenheit zu verbessern. Der grösste Teil der Juden Saidas lebt vom Hausiergewerbe. Sie streifen die ganze Woche hindurch, mit schwerem Gepäcke, von Dorf zu Dorf und sind glücklich, wenn sie einige Piaster an dem Handel mit den billigen Gegenständen erworben haben, welche die geringen Bedürfnisse der Dorfbewohner erheischen. Ein nicht unbedeutender Teil beschäftigt sich mit verschiedenen Handwerken, es giebt unter ihnen Schuhmacher, Klempner, Weber u. s. w. — KaufLeute sind selten. Auch die Frauen und Mädchen suchen Beschäftigung und sind zufrieden, wenn sie l1/2 bis 2 Piaster, d. i. 30—40 Centimes, pro Tag verdienen. Die allerbilligste Arbeit wird von den jüdischen Frauen geliefert. Werden die Orangen zum Export in Papier gewickelt, hat man Bedarf an Waschfrauen, so wendet man sich nach dem Haret-el-

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