Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Bericht über eine Informationsreise nach Saida
Date
1902-05-01
Page
Seite 208 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379787-2379792-2380545--00368-2380638
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 208 — allerseltensten Fällen ihren Besitz persönlich, sie verpachten vielmehr ihre Felder an die Fellachen des Dorfes und suchen Wucherzinsen aus dem angelegten Kapital herauszuschlagen. Bezeichnend für die Bodenwerte in dieser Region, sowie auch andererseits für die Bodenfruchtbarkeit ist der Umstand, dass hier die Pächter nicht den fünften, wie es sonst in Palästina der Fall ist, sondern den dritten Teil und manchmal auch die Hälfte des Bruttoertrages dem Eigentümer für die Benutzung des Bodens abzugeben haben. Selbstverständlich hängt dieses Eigentümer-Element durchaus nicht an dem Bodenbesitz und sucht bei passender Gelegenheit, sowie hauptsächlich bei entsprechenden Preisen, denselben weiterzuverkaufen, um sich alsdann mit dem flüssig gewordenen Gelde in einem anderen Dorfe festzusetzen und dort eine neue gute Verkaufsgelegenheit abzuwarten. Wir sind also im stände, hier, in einer gewissen Entfernung von der Stadt, zusammenhängenden Besitz zu erwerben, und zwar zu Preisen, die nicht als sehr hoch zu bezeichnen sind, wenn sie auch für den betreffenden Effendi ein ausgezeichnetes Geschäft bedeuten, da ei\ sicherlich, die Notlage des Fellachen ausbeutend, spottbillig den Boden erworben und allmählich seinen Besitz auf ähnliche Weise arrondiert haben wird. Und in der That wird man doch nicht einen Preis von 800 bis 1000 Mk. pro Hektar für Boden in der Entfernung von x/2 bis 3/4: Stunden südlich von der Stadt als teuer bezeichnen können. Noch weiter gegen Süden sind die Preise geringer und etwa in der Entfernung von 172 bis 2 Stunden von der Stadt könnte man Boden zu 50—60 Frcs. pro Dunam erwerben. Uns ist eine Kaufgelegenheit von ca. 60 Hektaren bekannt, wovon ein Teil mit alten, Ertrag liefernden Fruchtbäumen bestanden, und dies zum Preise von 32 000 Frcs. Zweifellos würden sich noch andere Kaufgelegenheiten bieten. Bedenkt man, dass man in der Nähe von einigen schon bestehenden Kolonien, die lange nicht so günstig gelegen sind wie Saida, momentan Boden zu Preisen zu erwerben gedenkt, die die von uns angegebenen übersteigen, so wird man sich sagen müssen, dass dieser Preis nicht übertrieben ist. Wir haben zu beweisen gesucht, wie wichtig die Lage von Saida ist und wie bedeutend die Steigerung der Bodenwerte um die Stadt, auch südlich von derselben, werden muss, besonders seit der unlängst erfolgten Eröffnung einer bequemen Verbindungsmöglichkeit mit Beirut. Wir wiesen auf die Bodenfruchtbarkeit und auf die Gesundheit des Klimas hin. Hier also, d. i. in einer Entfernung von l1/2 bis 2 Stunden (8 bis 10 Kilometer) südlich von Saida, ist die Schaffung einer Hilfsaktion für die arme jüdische BevölkerungSaidas möglich. Wir denken uns den Ankauf eines Areals von 50—100 Hektaren zwecks Einrichtung eines intensiv zu betreibenden Gutes, wobei die Handarbeit von Juden geliefert werden soll. Bedingung soll Rentabilität des Gutes sein, was leicht zu erreichen ist, da die jüdischen Arbeiter von Saida, sehr geringe Ansprüche haben. Man wird sie in derselben Weise entlohnen können wie die arabischen Arbeiter, d. h. ihrem reellen Werte nach und nicht auf künstlich geschaffener Basis, wie es in den palästinischen Kolonien der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.