Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Bericht über eine Informationsreise nach Saida
Date
1902-05-01
Page
Seite 210 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379787-2379792-2380545--00370-2380640
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 210 - Jahud. Leider ist diese BeschäftigUDg der jüdischen Frauen und Mädchen bei Mohamedanern und Christen, infolge der ausserordentlich niedrigen gesellschaftlichen Stellung der Juden, die nirgends Schutz finden können, mit einer gewissen Verdorbenheit der Sitten der ersteren verbunden, die zum Teil schon sprichwörtlich geworden ist und für die arme jüdische Bevölkerung der allermeisten orientalischen Städte allgemein zu sein scheint. Man müsste unbedingt in unserem Falle auch diesem Zustande die Aufmerksamkeit zuwenden. Könnte man nicht durch entsprechende Beschäftigung die jüdischen Frauen und Mädchen dem verderblichen Einfluss der dominierenden Bevölkerung entziehen? Saida hat einen bedeutenden Seidenmarkt, es werden hierher alljährlich sehr grosse Quantitäten Kokons gebracht. Eine Seidenspinnerei wäre hier absolut angebracht und würde eine Beschäftigung für den weiblichen Teil der jüdischen Bevölkerung liefern, welche die Nachteile der Beschäftigung bei den Arabern nicht haben wird. Wenn schon eine Seidenspinnerei in Rosch-Pinah, weit von der Küste entfernt, 100 bis 150 Arbeitern aus Safed Beschäftigung bietet, wobei Kokons weit im Norden, in Hasbeya, Dchedeideh, aufgekauft werden, um wieviel richtiger erscheint eine Seidenspinnerei in Saida am Platze zu sein, wo man ebenfalls eine arme arbeitslustige jüdische Bevölkerung hat, zugleich aber auch den ungeheuren Vorzug besitzt, in einem Hafenort bequem die Kokons erwerben und die gesponnene Seide ebenso bequem ausführen zu können. In Saida existiert auch eine Seidenspinnerei, deren Besitzer infolge verschiedener Familienverhältnisse bereit ist, dieselbe zu verkaufen. Sollten die massgebenden Kreise, denen unsere Vorschläge unterbreitet werden mögen, beschliessen, die Hilfsaktion für die iüdische Bevölkerung Saidas zu beginnen, so wird man einen Fachmann zur Betrachtung der Frage entsenden müssen, ob die existierende Seidenspinnerei zu erwerben oder eine neue, nach modernen Mustern, aufzuführen ist. Es unterliegt aber keinem Zweifel, dass ein solches Unternehmen in Saida wohl rentieren wird. Wir haben es versucht, sehr geehrter Herr, in unserem Berichte die Dringlichkeit, die Möglichkeit, sowie auch die Rentabilität einer eventuellen Hilfsaktion für die Judenheit Saidas darzulegen. Sollten Ihnen noch andere detaillierte Angaben erwünscht sein, so sind wir gern bereit, Ihnen damit zu dienen. Wir sind überzeugt, dass es Ihrem Einfluss gelingen wird, die massgebenden Kreise auf diese vergessene jüdische Gemeinde aufmerksam zu machen und ihr die Möglichkeit zu verschaffen, von dem natürlichen Reichtum dieses gottbegnadeten Landstriches, gleich ihren moslimischen und christlichen Nachbarn, Wohlstand zu ziehen. Hochachtungsvoll und ergebenst Im Auftrage des Agron.-Kulturtechn. Bureaus. Dr. S. Soskin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.