Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Bericht über eine Informationsreise nach Saida
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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— 205 — schliesslich Orangengärten. Verschiedene Obstgattungen werden in demselben Garten, allerdings getrennt, gezüchtet. Hier findet man die Bananenkultur in einer besonderen Ausdehnung, wie man sie sonst in Palästina nicht hat. Seit etwa 30 Jahren wurde die Mispel nach Saida gebracht und gewinnt in den Gärten immer grössere Bedeutung, da auf dem Markt von Beirut für dieses sattige Kernobst gute Preise, Mk. 0,60 bis Mk. 1,— pro Kilo, bezahlt werden. Es werden sogar in einigen Fällen Aprikosenbäunie durch Mispeln ersetzt. Wie sehr dieses Obst geschätzt wird, geht schon daraus hervor, dass man das reife Obst mit Netzen, welche um die Baumkronen geworfen werden, vor Vogelfrass schützt. — Die Bananen und hauptsächlich die Mispeln gelangen ausserdem nach Egypten. Die Orangen, von denen man hier leider zu viel verschiedene Sorten zieht, so dass sich für Saida keine Spezialität daraus bilden konnte, werden besonders in Russland geschätzt. Die Citronen, welche hier in viel grösserer Ausdehnung angebaut werden als in Jaffa, zeichnen sich durch ihre gute Qualität aus. Der bei weitem grösste Teil der Gärten, besonders der im Norden der Stadt gelegenen, erhalten das zur Bewässerung notwendige Wasser von dem Nahr-el-Auleh (Bostrenus), der etwa 20 Minuten nördlich von der Stadt sich in das Meer ergiesst. Diese fast kostenlose Wasserversorgung der Gärten und der Stadt bildet den ungeheuren Vorzug- Saidas. Das Nutzungsrecht des Wassers des Nahr-el-Auleh ist ein Privileg der Gartenbesitzer, welches nach gewissen Sätzen, unter Aufsicht einer speziellen Direktion, geregelt wird. Die Kanalisation wird dauernd in gutem Zustand unterhalten. — Es existieren auch um Saida Gärten, welche ihr Wasser aus Brunnen entnehmen. Das Grundwasser findet sich in einer verhältnismässig geringen Tiefe und wird durch sehr primitive Hebewerke (Naura genannt, daher die Bezeichnung Noriah), die durch Esel und Maultiere bewegt werden, in die Gärten befördert. Die Bedeutung der Gärten von Saida wird noch durch die Nähe von Beirut gesteigert, welches jetzt in fünf Stunden per Wagen von Saida erreicht wird. Die Stadt Beirut, welche nach V. Cuinet im Jahre 1894 120 000 Einwohner besass, momentan aber gewiss bedeutend mehr Einwohner zählen dürfte, ist ein starker Konsument von Obst und Gemüse. Schon vor der Eröffnung der Chaussee lieferte Saida, mit dem Libanon die Versorgung der Hauptstadt teilend, grosse Mengen von Obst und Gemüse nach Beirut. Nunmehr wird zweifellos die Ausfuhr dieser Produkte nach Beirut bedeutend grösser werden und dürfte der Libanon hierin von Saidas Konkurrenz zu leiden haben. Sogar die südlich von Saida gelegenen Dörfer erzeugen Gemüse, welches nach Beirut geliefert wird. Als frisches Obst gelangen auf deri Beiruter Markt, je nach der Saison, Orangen, Bananen, Mispeln, Aprikosen, Pfirsiche* etc. Die sich von Tag zu Tag steigernde Bedeutung Saidas glauben wir hinreichend beleuchtet zu haben. Dies erklärt zur Genüge die Steigerung der Werte der unbeweglichen Besitztümer in der Stadt und in ihrer Umgebung. Die Bodenpreise in Saida sind unerschwinglich. Die das Nutzungsrecht des Aulen-Wassers besitzenden Gärten werden fast niemals veräussert, sondern bleiben das Erbe der privilegierten Familien.