Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Das landwirtschaftliche Werk der Alliance
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 180 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 180 — Hörer agronomischer Kurse zu senden, hat die Sachlage noch verschlimmert. Diese Maassregel wurde von dem Wunsche diktiert, dem Werke der J. C. A. einen Stab zu sichern. So wurden denn die praktischen Arbeiten notgedrungen vernachlässigt und auf den zweiten Plan zurückgedrängt, was den Ausgangspunkt der Schwierigkeiten und Enttäuschungen, mit denen Mikweh seit einigen Jahren zu kämpfen hat, bildete. Der Schüler hat nur noch das eine Ziel vor Augen, sich auszuzeichnen, um nach Paris gehen zu können, die Grundlage der Preisberechnung aber ist die Theorie und die französische Sprache. Man errät die Folgen solcher Maassnahmen. Alle diejenigen, die nicht nach Paris geschickt werden — also ein grosser Teil —verlassen die Landwirtschaft am Ende ihrer Lehrzeit, mit Ausnahme derjenigen, denen man eine Anstellung als Aufseher oder Leiter in irgend einer Kolonie oder anderweitig verschafft. Ihr Ehrgeiz wurde es, ein Amt oder eine Anstellung zu erhalten. Man bedenke die Erniedrigung! Wenn man nahe daran war, nach Paris als Hörer der agronomischen Kurse zu gehen, und nun gezwungen sein soll, wie ein Handwerker zu arbeiten und als P~eldarbeiter oder Wirtschaftsknecht sein Leben zu fristen! Von welchem Nutzen wären denn dann die National- Oekonomie, die Zootechnik, die Chemie, die Physik und alle die anderen schönen Sachen mit mehr oder minder klingenden Namen gewesen, die man in der Landwirtschafts-Schule, wenn auch nur flüchtig berührt hat? Der folgende Fall ist typisch. Ein in Palästina etablierter Kolonist hatte vier Söhne, alle ausgezeichnete Arbeiter. Er bringt den jüngsten in Mikweh unter. Während die drei anderen Brüder in der Kolonie bleiben, wo sie mit dem Pflug und der Hacke weiter arbeiten, wird der in Mikweh ausgebildete junge Mann, statt, wie es natürlich wäre, zu seinen Eltern zurückzukehren, um ihnen mit seinen erworbenen Kenntnissen von Nutzen zu sein und die Art ihrer Bodenbearbeitung zu vervollkommnen, .... Kanzleibeamter! Wenn seine Brüder ebenfalls Mikweh besucht hätten, gäbe es heute drei brave Kolonisten weniger, dafür aber drei Bureaugehilfen mehr. Eine Landwirtschaftsschule, die eher alles andere hervorbringt — kleine Beamte, kleine Angestellte, Kolporteure u. s. w. — als Landwirte! Wie könnte es auch anders sein? Man wiederholt den Schülern in allen Tonarten, dass sie dazu bestimmt sind, den Stamm der Kolonien aufrecht zu erhalten, dass man darauf rechnet, sie das von der J. C. A. ins Leben gerufene Werk heben und neu beleben zu sehen u. dgl. m. Ist es klug, auf diese Weise krankhaften Ehrgeiz zu entfachen, Ansprüche zu erwecken, die keine Befriedigung finden werden? Kann man unter diesen Umständen wirkliche Landwirte, die den Boden und ihr Handwerk lieben, heranbilden? III. Alter, in weichem der Schüler seine Lehrzeit in Mikweh beendet. Die Schüler, die in Mikweh im Alter von 13—15 Jahren einreten: verlassen die Anstalt im Alter von 18—20 Jahren. ' In diesem Lebensabschnitt sollten junge Leute unter strenger Aufsicht, deren Folgen ihnen nur Segen bringen können, arbeiten.