Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Das landwirtschaftliche Werk der Alliance
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 181 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379787-2379792-2380539--00335-2380611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 181 Alle die Eigenschaften, durch welche man im Leben weiterkommt, Ausdauer, Beständigkeit, Ernst u. s. w. sind diesem Alter fremd. Sind sie sich selbst überlassen, verlieren sie leicht den Mut, das erste beste Hindernis schreckt sie zurück. Beweis der doppelte Versuch, den man in Argentinien und Cypern unternommen hat. Man hat vor einigen Jahren zwei Gruppen von je vier jungen Leuten aus der Schule von Mikweh nach den Kolonien der J. C. A. in Argentinien geschickt. Man etablierte sie hier als Kolonisten. Die eine der Gruppen machte nicht lange Umstände; sie löste sich nach kaum zwei Wochen auf und die Mitglieder zerstreuten sich. Die zweite widerstand etwas länger, um sich jedoch zum Schlüsse ebenfalls aufzulösen, ein einziges Mitglied ausgenommen, das in der Kolonie blieb, weil ... es Schwiegersohn eines Kolonisten wurde. Der Versuch von Margo-Tschiflik in Cypern war nicht glücklicher, trotzdem hier einige Veteranen unter den Neulingen waren. Die Einen ebenso wie die Anderen verliessen den Ort, um in Australien oder den Vereinigten Staaten ihr Glück zu versuchen. (> IV. Uebertriebene Erweiterungen von Mikweh-Israel. Gewöhnlich wird ein Unternehmen erst dann vergrössert, nachdem es sichere Resultate ergeben hat. Im Gegensatz hierzu hat man Mikweh bereits vor 6—7 Jahren einen Aufschwung gegeben, der den Umfang der Anstalt verdoppelte, ohne dass die Aussichten der Schüler ein solches Vorgehen im geringsten gerechtfertigt hätten. Man beschloss, Promotionen von je 50—60 Schülern einzuführen. Das hiess, den Umfang der Schule fast verdreifachen. Personal, Bedienung, Einrichtung, Nebengebäude, mit einem Wort alles wurde dementsprechend vergrössert. Ungeheure Summen wurden-diesem Zwecke geopiert, und die Anstalt repräsentierte im Nu einen ausserordentlichen materiellen "Wert. Da diese Vergrösserung auf rein künstlicher Basis beruhte und weit entfernt davon war, der moralischen Lage der Anstalt zu entsprechen, wurde sie eine Quelle von Enttäuschungen und Verdruss für die Administration, welche, einer schlechten Eingebung folgend, sich sehr zur Unzeit diesem Grössenwahn hingab. Hat man ebenso die moralische Seite studiert und verbessert? Wusste man, was man mit den jungen Leuten am Ende ihrer Lehrzeit anfangen würde? Hat man diese Grundaufgabe gelöst, ehe man der Anstalt einen solchen Aufschwung gab? Nein. Folglich ruhte das Gebäude auf einer sehr unsicheren, zerbrechlichen Grundlage. So sehen wir denn auch die Anzahl der Schüler im Jahre 1901 auf 201 herabsinken, am Anfange des Jahres 1902 auf 147. Gegenwärtig beträgt dieselbe 100, und es ist nicht anders zu erwarten, als dass sie sich von Jahr zu Jahr vermindert. Nichts Natürlicheres, nachdem man den jungen Leuten nichts Bestimmtes zu bieten oder zu versprechen hat. Sie verlassen die Anstalt vor dem Ende ihrer Lehrzeit, um sich anderweitig einen Unterhalt zu suchen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig?