Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Greater Palestine
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 157 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
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— 157 — Aber es sind ja nicht nur die Entfernungen massgebend. Zionistisch von allererster Bedeutung ist die Frage, ob das zu besiedelnde Land uns die Möglichkeit jüdischer Bevölkerungs-Majoritäten bietet, denn grosse Ansammlungen von Juden innerhalb noch grösserer Bevölkerungsmassen sind längst als wertlos erkannt worden. Die national-jüdische Kolonisation braucht Landgebiete, die administrativ von den umgebenden getrennt sind oder leicht getrennt werden können, und sie braucht Gebiete, deren Bevölkerungs-Verhältnisse zumindest die Möglichkeit jüdischer Majoritäten in sich schliessen. Diese Bedingungen erfüllen von den Nachbarländern Palästinas: In erster Linie El-Arisch mit ca. 1 Einwohner per Quadratkilometer (etwa 1000 Einwohner auf 1000 qkm) und seiner leichten Abgrenzbark ei t. In zweiter Linie entspricht diesen Erfordernissen die Halbinsel Sinai mit ihrer ziemlich gesonderten Verwaltung, der gleichfalls angloägyptischen Oberhoheit, einem Flächeninhalt von 59 000 qkm (die doppelte Grösse von Palästina!) und etwa 16000 Einwohnern. In dritter Linie kommt Cypern — ganz getrennt verwaltet, englisch regiert, mit 230 000 Einwohnern auf 9300 qkm. An vierter Stelle steht — von diesen Gesichtspunkten aus — Palästina mit etwa 600 000 Einwohnern auf ca. 29 000 qkm. Und erst weit nach Palästina — wenn auch nichts anderes die Reihe unterbricht — kommt Kleinasien mit seinen 540 000 qkm (so gross wie Deuschland und fast 20mal so gross wie Palästina) und mit einer Bevölkerung von ca. 8 Millionen! Von Syrien ist hier absichtlich nichts gesagt, und zwar aus folgenden Gründen: Als direktes Nachbarland Palästinas kommt es insofern nicht in Betracht, als die an Palästina stossenden Teile Syriens — der christlich-autonome Libanon und das Gebiet von Damaskus — national-jüdisch nicht in Betracht kommen, während Nord- Syrien (die Gebiete von Horns, Hama, Aleppo etc.) sowohl wegen seiner Entfernung von Palästina, wie von den Emigrationsländern, uns zunächst nicht interessiert. Auch das bestehende Einwaaderungsverbot, sowie die grosse Ausdehnung und Bevölkerungszahl des Landes sind ungünstig. (Syrien ohne Palästina und Libanon ca. 110 000 qkm mit ca. 1 100 090 Einwohnern). Im Uebrigen ist ja auch Syrien noch niemals vom Standpunkt der jüdischen Kolonisation ernstlich in Betracht gezogen worden, sondern findet sich nur in der Redensart: „Palästina und Syrien''.*) Untersuchen wir die genannten Länder auf Eigenschaften und Verhältnisse hin, die sich nicht wie die obigen in Ziffern ausdrücken lassen, so ergiebt sich — nach dem Stand unserer besten heutigen Kenntnisse — Folgendes: Palästina. Vom jüdisch-nationalen Standpunkte zweifellos und absolut das wichtigste Land. Dabei fruchtbar und entwickelungsfähig in jeder Beziehung. Dagegen spricht: das Einwanderungsverbot und die Interessen der Mächte, welche die Verhandlungen erschweren. El-Arisch. Von jüdisch-nationalem Standpunkte absolut einwandfrei. Als Teil des engsten Palästina moralisch ebenso wertvolf *) Bezüglich dieses ganzen Passus s. Tabelle auf S. 15 des ersten Heftes von Palästina.