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Palästina · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 125

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina
Date
1902-03-01
Page
Seite 125 (sequence 3)
Language
German
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dass man zu einer solchen Epoche damit begonnen hatte. Wenn, anstatt diesen relativen Misserfolg einfach zu verzeichnen, man sich die Mühe gegeben hätte, dessen Ursachen nachzugehen, so würde man gewiss nicht die momentane Lage verändert haben, man hätte sich aber die falschen Schlussfolgerungen erspart. Wenn man vor dem Versuche die Seidenfrage ernstlich studiert hätte, so würde man sicherlich nicht damit begonnen haben, da man den Zeitpunkt für ungeeignet gefunden hätte. Man hat schon so viel und in so verschiedenen Tonarten unseren ersten Versuch der Kolonisation kritisiert, dass es unangenehm wird, noch mit einem neuen Tadel zu kommen. Man kann aber doch nicht umhin, jedes Mal, wenn man den Versuch macht, die Geschichte eines in Palästina unternommenen Experimentes zu geben, eine unverzeihliche Leichtfertigkeit zu konstatieren. Sei es, dass man die Weinfrage berührt, von der die ganze Zukunft der Kolonien abhängig gemacht wurde, sei es den Seidenbau oder jede andere Kultur, immer und überall wird man gewahr, dass die schönsten Ideen, die häufig dem Zufalle zu verdanken waren, in die That umgesetzt wurden, ohne dass darüber tiefer nachgeforscht wurde, ohne dass eine entsprechende Studie ihnen voranging. Fast alle Versuche wurden mit bemerkenswertem Leichtsinn und Mangel an Ueberzeugung ausgeführt. Die Erfahrungen der Jahre 1893—1895 bewiesen, dass der Seidenbau in den jüdischen Kolonien nicht lohnt. War er sonst wo zur selben Zeit lohnend? War der Preis von 1,80—2 Francs, den man pro 1 kg Kokons erhielt, normal? War es der sonst übliche Preis? Wie kam es denn, dass im Libanon, in diesem Gebiete des Seidenbaues par excellence, der Maulbeerbaum aufgehört hatte zu lohnen, dass man die Pflanzungen auf berieselten Böden ausgerodet hatte, um sie mit Gemüse zu vertauschen, dass auf den trockenen Bergen der Oelbaum die Stelle des Maulbeerbaumes einnahm? Weil gerade vom Jahre 1890 an der Handel in Seide zu stocken begann, weil gegen 1894, gerade als wir unsere Versuche begonnen hatten, die Seidenkrise ihren Gipfel erreichte. Die Krise war allgemein. Alle Länder, die Seide erzeugten, litten schrecklich darunter. Man hätte also nicht um diese Zeit mit unseren Versuchen anfangen sollen. Einmal aber angefangen, müssten die Resultate, zwar sehr bescheiden, jedoch aber positiv, zu weiteren Experimenten aufmuntern, wenn man sich vergegenwärtigt hätte, dass man zur Zeit einer allgemeinen Krise damit begonnen hatte. Endlich hätte man doch sofort nach Abschluss der Krise von neuem beginnen sollen. Indes begnügte man sich bei uns damit, dass man die Pflege der Maulbeerbaumpflanzungen aufgab, zum grossen Teile sogar sie ausrodete, und dass man die Seidenzucht nur noch als Beispiel für eine unrentable Kultur anführte. Die Sachen haben sich seitdem aber geändert. Die Kokons erreichten wieder, statt 1,80—2 Frcs. pro Kilogramm, den Preis von 3,50—4 Frcs. Da die Erzeugungskosten dieselben sind, so wurde der Seidenbau wieder lohnend.

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