Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
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— 124 — Bienenzucht lassen wir unbeachtet. Die Gunst aber, die der Seidenzucht durch diese Ausnahme erwiesen wurde, schlug um infolge der falschen Folgerungen, die sie entstehen Hess. BISHERIGE VERSUCHE IN PALAESTINA. Man wollte also den Seidenbau einführen. Aber vom Prinzipe durchdrungen, dass die kleinen Nebenverdienste vernachlässigt werden müssen, begnügte man sich nicht, den Seidenbau im Kleinen zu machen. Sofort berechnete man, dass man pro Kolonisten mehrere Hektare Maulbeerbaumpflanzungen anzulegen habe, damit er jährlich 500 bis 1000 Frcs. vom Seidenbau erwerben solle, ohne sich zu fragen,, ob dies ökonomisch möglich wäre. Maulbeerbäume wurden nun in Zehntausenden in Ober-Galiläa (Rosch-Pinah und Jessod-Hamaalah) und in Samaria (Zichron-Jacob, Hederah), in weniger grosser Anzahl in Judäa angepflanzt. Hierbei ist zu bemerken, dass dies etwa um das Jahr 1890 geschah. In den ersten Jahren (1893 — 1894) versuchte man die Aufzucht des Seidenwurmes in Sätzen von 10 Unzen; in einem Jahre ging man sogar bis 18 Unzen. Die Resultate waren derart ausgefallen, wie sie bei einer Aufzucht in einem so grossen Maassstabe ausfallen mussten, d. h. sie waren sehr mittelmässig. Indes war doch das Beispiel einer Aufzucht nach rationellen perfektionierten Methoden gegeben. Die Bäume begannen Ertrag zu liefern. Man munterte die Kolonisten auf, den kostbaren Wurm zu ziehen. Sie gingen auch mit Eifer ans Werk und zwar in Zichron-Jacob im Jahre 1894 und in Rosch-Pinah 1895, d. h. ein Jahr später. Aber welch traurige Ergebnisse! Erst jetzt wurde man gewahr, was vorauszusehen war, dass die Familie des Kolonisten allein nicht im stände sein wird, die sämtliche Handarbeit zu liefern, die zur Erziehung von Sätzen notwendig ist, welche von den Blättern der Maulbeerbäume von 3 — 4 Hektaren genährt werden sollen. Man sah, dass es notwendig sei, fremde Arbeit heranzuziehen, was man als zu teuer fallen lassen musste. Man begnügte sich also mit der Aufzucht von Sätzen von nur 1—3 Unzen. Die Einnahmen blieben aber trotzdem unbedeutend. In dem Hause des einen der Schreiber erhielt man 56 kg Kokons einer feinen Sorte mit dem Samen von einer Unze von 25 g. Der Ertrag* war also in diesem Falle ein ausserordentlicher. Dessenungeachtet war der Reingewinn pro Unze nur 60 Franken. Eine so bescheidene Einnahme für den Fleiss mehrerer Wochen war doch nicht der Mühe wert. Nach den üblichen Lamentationen, dass es hinreiche, dass der Jude einen Artikel zu erzeugen beginne, damit derselbe schon seinen Wert verliere, dass die Seidenzucht nur für Leute lohnen könne, deren Bedürfnisse ausserordentlich geringe sind, und denen es völlig an Beschäftigung fehlt u. s. w., und nach einem zweiten Versuchsjahre gleichen Ergebnisses verurteilte man schonungslos die Seidenzucht als eine Kultur, deren Erträge für die Familie unbedeutend seien. Es schien zwar richtig zu sein; man beging aber einen Irrtum, so bald an der Sache zu verzweifeln. Richtiger bestand der Fehler darin,