Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 123 (sequence 1)
- Language
- German
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— 123 — DIE ZUKUNFT DES SEIDENBAUES IN PALAESTINA. Von A. Aaronsohn und Dr. S. Soskin. (Mitteilungen des Agronomisch-kiilturteclmischen Bureaus für Palästina.) Allgemein bekannt ist die Bedeutung, welche für den Bauer die Nebenerwerbe in der Landwirtschaft haben. Ueberall ist der Bauer bestrebt, neben der Hauptkultur, die für eine bestimmte Gegend charakteristisch ist, noch andere Einnahmequellen ausfindig zu machen, welche ihm seine freie Zeit und die verwendete Mühe bezahlt machen. Bald sind es die Abfälle der Getreidekörner, welche die Geflügelaufzucht lohnend machen, bald ermöglichen es die Blätter von Gemüse und die rechts und links aufgesammelten Gräser, eine Kuh aufzuziehen, deren Milch oder Butter auf den Markt gebracht wird. Auch wird in den industriereichen Distrikten der Landmann nicht selten einen bedeutenden Erwerb erreichen, wenn er im Winter z. B. Uhren zusammenstellt, deren Stücke ihm von der benachbarten Fabrik geliefert werden, wie es in Franche-Comte und in der Schweiz der Fall ist. Wo anders ist es wieder die Bienenzucht, die man leider noch allzusehr vernachlässigt, oder die Seidenzucht, welche, von der Frau und den Töchtern des Landwirts ausgeübt, mehr oder weniger bedeutende Erträge abzuwerfen vermag. In den Gebieten, wo die Aufzucht von ätherische Oele liefernden Pflanzen möglich ist, wird der Bauer eine kleine Destillierblase aufstellen, um verschiedene Essenzen, wie Neroli, Geranium etc. zu erzeugen. Ueberall hat also der Landwirt mit diesen kleinen Nebenerwerben in der Landwirtschaft zu rechnen, die für ihn von so grosser Bedeutung sind. Bedingung ist dabei, dass die für diese Nebenbeschäftigungen erforderliche Handarbeit von der Familie des Landwirtes geliefert wird und nicht bezahlt zu werden braucht. Zu unserm grössten Bedauern müssen wir aber gestehen, dass unsere Kolonisten in Palästina noch weit davon entfernt sind, diese Thatsachen in ihr Verständnis aufzunehmen und für sich zu veiwerten. Macht man ihnen irgend einen Vorschlag in dieser Richtung, so wird mit Ironie geantwortet, und sie glauben einen unwiderleglichen Gegengrund gefunden zu haben, wenn sie entgegenhalten, dass der in Frage kommende Nebenerwerb kaum im stände sei, den Lebensunterhalt der Familie für einen Monat oder sechs Wochen zu liefern. Als ob ein Nebeneinkommen von. noch geringerem Belang von keiner Bedeutung im Haushalte der Familie wäre. Kommt es davon, dass unsere Kolonisten noch nicht genügend Landwirt, nicht genügend Bauern sind, um den Wert eines Pfennigs zu schätzen? Ist es vielleicht der Einfluss der einzigen und ausschliesslichen Kultur, die man für den Kolonisten wählte, des alleinigen Weinbaues, der alleinigen Obstzucht u. s. w.? Wahrscheinlich ist die Ursache in diesen beiden Umständen zu suchen. So vernachlässigte man bisher die Nebenerwerbe in der Landwirtschaft. Eine einzige Ausnahme wurde zu Gunsten der Seidenzucht gemacht. Die wenigen unbedeutenden Liebhaberversuche mit der 3*