Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Gummi arabicum aus Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 116 — Um über den Wert des Gummis Aufschluss zu erhalten, wurde dasselbe an die grosse Drogen-Importfirma E. H. Worlee & Co. in Hamburg und an die Gummi arabicum-Firma Wördehoff & Schnabel in Köln a. Rh. gesandt. Erstere Firma teilt mit, dass der Lösungsversuch mit der gesandten Probe kein günstiges Resultat ergeben hat. Das Gummi ist nur zum Teil löslich und die Lösung geht schnell in Gärung über. Die Ware würde also nur für einzelne Zwecke zu brauchen sein und sehr niedrige Preise ergeben; man taxiert das Gummi auf Mk. 20 bis 25 pro 100 kg; übrigens sei der Markt für sämtliche Gummi arabicum-Sorten momentan ganz ungewöhnlich flau infolge der sehr grossen Zufuhren von Kordofan. Wördehoff & Schnabel fanden die Qualität wohl brauchbar, jedoch haften der Rohware einige Mängel an, auch enthält dieselbe gewisse Beimischungen, welche der Verarbeitung nachteilig sind. Der heutige Marktpreis für eine solche Ware sei kaum zu bestimmen, da bei den heutigen äusserst billigen Preisen der ägyptischen Sudan-Gummisorten solche unansehnliche fremde Qualitäten ganz unverkäuflich sind. Zur Zeit der Mahdi-Wirren im Sudan wurden für ähnliche Herkünfte vom Roten Meer schon Mk. 120 bis 180 pro 100 kg bezahlt, heute aber vielleicht Mk. 25 bis 30 pro 100 kg. Die Ausfuhr dürfte daher momentan kaum lohnend sein. Ueber die Stammpflanze, welche dieses palästinensische Gummi liefert, wissen wir nichts, doch ist anzunehmen, dass es von Acacia tortilis oder Acacia seyal, eventuell von beiden Arten herstammt. Nach Post: Flora of Syria, Palestine and Sinai kommen beide Arten in der Umgebung des Toten Meeres vor, und von beiden Arten wissen wir, dass sie ein rötliches, geringwertiges Gummi liefern. Freilich giebt es noch andere Akazien in Palästina, jedoch sind sie bisher nicht am Toten Meer gefunden. Es sind dies Acacia farnesiana, jene beliebte wohlduftende Heckenpflanze, die im Mittelmeergebiet und auch in Palästina, z. B. in Jessud Hamaloh, massenhaft als Parfümpflanze angebaut wird, aber nur selten verwildert; diese Art soll übrigens in Indien ein ziemlich gutes Gummi liefern. Sodann kommt die bekannte Nil-Akazie, Acacia nilotica, in Frage; sie tritt aber erst im Sinaigebiel auf, nicht im eigentlichen Palästina; ferner Acacia albida die nur von Sidon und Gaza, sowie von der Schlucht südlich Jubail angegeben wird, während sie in Afrika bis zum Cap geht; sie liefert übrigens ein sehr minderwertiges Produkt. Die letzte in Syrien vorkommende Art ist Acacia laeta, die aber bisher nur im Ghor-es Safieh gefunden wurde, .wo sie auch nur selten vorkommt; über ihr Gummi ist nichts bekannt. Als sonstige eventuelle Gummilieferanten würden noch zwei Prosopisarten in Frage kommen, da die den Akazien nahe stehende Gattung Prosopis in Amerika Gummisorten liefert. Die beiden Arten, die in Palästina vorkommen, sind Prosopis Stephaniana, ein auf unbebautem Boden häufiger Strauch, sowie Prosopis spicigera, die im Jordanthal vorkommen soll. Es wäre interessant zu erfahren, ob diese Arten gleichfalls Gummi ausschwitzen. Will man einen Versuch machen, das Gummi des Toten Meeres zu exportieren, so würde es wichtig sein, alle undurchsichtigen und trüben Stücke auszumerzen und die klaren Stücke nach der Farbe zu