Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Eine nationale Lehranstalt in Palästina
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 109 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 109 — jüdische Geschichte, Arithmetik, Naturgeschichte, Naturlehre, Geographie und Weltgeschichte.*) Praktisch werden die Zöglinge unter Aufsicht eines kundigen Agronomen in allen Zweigen der Landwirtschaft ausgebildet werden, und zwar im Getreide-, Gemüse- und Weinbau, in der Anpflanzung aller Arten von Bäumen, in der Vieh- und Geflügelzucht u. dgl. In allen diesen Fächern soll mehr auf das praktische als auf das theoretische Moment Gewicht gelegt werden. Sobald die Schüler die oben bezeichneten wissenschaftlichen Disziplinen sich vollständig angeeignet haben werden, sollen sie als Landarbeiter auf dem Grundstücke der Schule verwendet werden. Ihr ganzer Arbeitstag soll dann der Landarbeit gewidmet sein, und bloss in den Abendstunden, am Sabbat und an Feiertagen, sowie bei Regenwetter soll der wissenschaftliche Lehrstoff wiederholt, oder neue Kenntnisse durch Lektüre und Vortragskurse erworben werden. Ohne Zweifel werden diese Landarbeiter mit der Zeit tüchtige Landwirte werden, und wer die zuversichtliche Ueberzeugung hat, dass den jüdischen Kolonisations-Bestrebungen eine grosse Zukunft bevorsteht, der wird meine Hoffnung teilen, dass es solchen Arbeitern leicht werden wird, in Palästina selbständige Bauern zu werden. Ohne ihnen nun bestimmte Versprechungen zu machen, so!l die Lehranstalt bestrebt sein, für die Zukunft ihrer Zöglinge Sorge zu tragen. Für besonders begabte Kinder soll eine separate Klasse eingerichtet werden, in der ihnen Gelegenheit zur Vervollkommnung in den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen, sowie in den Landessprachen, eventuell auch in einer europäischen Sprache, geboten werden soll Der Nutzen, den diese Zöglinge unserer nationalen Sache bringen können, ist ebenfalls sehr gross und bedeutsam. Die Unterrichtssprache, sowie die allgemeine, ausschliessliche Umgangssprache der Zöglinge soll das Hebräische sein. Und nicht nur hebräische Sprache soll die alleinherrschende in der Anstalt sein, sondern der hebräische Geist soll diese ganz durchdringen. Die Atmosphäre des Hebräismus soll die Zöglinge während der ganzen Zeit ihres Verweilens in der Anstalt umgeben. Ihre Lehrer und Vorgesetzten sollen bestrebt sein, ihnen Liebe und Ehrfurcht für alle Heiligtümer Israels einzuflössen: für unser Volk, unsere Thora, unser Land, für den Ackerbau, für den Glauben an Israels Zukunft. Die hebräische Erziehung soll in dieser Anstalt als Hauptsache betrachtet werden, daneben sollen Wissenschaft und praktische Arbeit gepflegt werden. Die Lehranstalt soll nach Möglichkeit und nach Massgabe der Geldmittel Zöglinge aus der jüdischen Bewohnerschaft von ganz Palästina aufnehmen, namentlich aber soll sie trachten, die Kinder der Städtebewohner, welche bekanntlich in grossem Elend verkümmern, heranzuziehen. Unter unseren Brüdern in Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias ist bereits die Sehnsucht nach einem menschenwürdigen Leben, nach produktiver Landarbeit rege geworden. *) Ein detaillierter Lehrplan wird später entworfen werden.