Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 74 (sequence 24)
- Language
- German
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— 74 — ein Regen von Telegrammen oder vielmehr von telegraphierten Briefen die Kassen der ottomanischen Telegraphenämter füllte, weilte derjenige, der die Kolonisation leitet, sehr weit .... in Beyrut und hat nicht geruht, persönlich nach dem Stand der Dinge zu sehen, trotz der Verantwortung, die er auf sich genommen. Wir geben zu, dass seine Anwesenheit in den Kolonien von gar keinem Wert ist; er ist in der Sache nichts weniger als kompetent, auch pflegt in so komplizierten Fragen und in verworrenen Momenten Paris selbst Entscheidungen zu treffen. Wozu aber denn diese Masse von schweren und unnützen Transmissionen, die noch den letzten, nach den Reibungen in der „Hauptmaschine" übrig gebliebenen Rest von Energie absorbieren? Kann übrigens der Aufenthalt in Beyrut die Kompetenz in den lokalen Angelegenheiten im günstigen Sinne beeinflussen? Nein, entschieden nicht! Die Thätigkeit der JVC. A. ist in einen riesigen Strom trüber Tinte verwandelt, die in ihren Fluten Gedanken, Gefühle, Initiative mitfortschwemmt. Briefe hin, Briefe her, Paris-Beyrut. Paris-Kolonien, Paris-Jaffa, Kolonien-Jaffa, Kolonien-Beyrut, Jaffa-Beyrut und — Kopien dieser Briefe. Die Gärtner und Agronomen haben nichts mehr mit der Landwirtschaft zu schaffen: sie haben jetzt bloss zwei Aufgaben, Briefe zu schreiben und Kopien davon zu expedieren und das Budget zu überwachen, damit der Kredit nicht überschritten werde. Der Rest sind Kleinigkeiten. Die ursprünglichen Interessen der Kolonisation, verschiedene landwirtschaftliche Unternehmungen, die Situation der Kolonisten, — das alles ist in weite, unbestimmte Ferne gerückt. Die Weinlese ist der phychologische Moment des gesamten Schaffens in den Kolonien, besonders in Juda, wo es Wein und guten Wein und fast nichts anderes, als Wein giebt. Man bereitet sich Monate lang darauf vor. Man beginnt an sie sofort nach Beendigung der vorherigen Weinlese zu denken. Trotz der Sorglosigkeit, die die Epoche des Herrn Scheid charakterisierte, gelang es immer, ungefähr so viel als man brauchte, zu erlangen. In diesem Jahre bedurfte es langer Schreibereien, um endlich beim Projekt der Cement- Boftiche für das Aufbewahren des Mostes anzulangen, ohne dass man jedoch daran dachte, sich vor Eventualitäten zu schützen, die bei so kurzen Erfahrungen unmöglich vorauszusehen sind. Die Weinlese war elend. Man hat bloss einen Teil der erzeugten Trauben erhalten. (Die Kolonisten wurden dazu ermuntert, auf eigene Hand Wein zu produzieren und die Trauben den Deutschen in Aegypten, auf den Markt von Jaffa u. s. w. zu verkaufen,) aber von diesem Teil hat man bloss sehr wenig anständigen Wein erzielt. Die noch nicht trockenen Cement-Bottiche sprangen, der Wein wurde hierdurch gänzlich verdorben und im Keller befand sich kein anderes Gefäss. Und doch hat man rechtzeitig davor gewarnt. Die offizielle Korrespondenz jedoch nahm ihren langsamen, schweren Weg über Beyrut und verschiedene Haltestellen — hier Bemerkungen, da Notizen. Das alles nimmt Zeit in Anspruch, Als man über den Preis des Weines beriet, gelangte man in Paris zu der (etwas übereilten) Ueberzeugung, dass der Wein fast gar keine Ausgaben rechtfertige; der gute Wein von Rischon war in Bordeaux auf 10 Frs. pro HektoHter geschätzt, sagte man. Und ohne