Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 72 (sequence 22)
- Language
- German
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— 72 - Und da ausserdem ein grosser Teil, wenn nicht die Mehrzahl von ihnen, den Anspruch erhebt, als etwas Besonderes angesehen zu werden, wollen sie ihre übertriebenen Forderungen nicht herabmindern und weisen nach wie vor trotz des furchtbaren Geldmangels jedwede Arbeit zurück, die ihnen zu wenig einträglich erscheint; trotz ihrer übrigens gerechtfertigten Klagen über die traurige Lage, sieht man immer noch die Araber mit der Bearbeitung des Ackers, bei Transporten, auf den Weiden und bei den Heerden u. s. w. beschäftigt. "Was aber besonders traurig stimmt, das ist die Leichtigkeit, mit welcher viele unter den Kolonisten dies Land verlassen haben und noch verlassen, um nicht Leiden zu ertragen, welche doch sicherlich nicht an jene heranreichen, die die ersten Wegbahner durchzumachen hatten. An Stelle der Begeisterung für die Sache, treten im Allgemeinen Erwägungen viel niedrigerer Art. Selbstverständlich spreche ich hier nicht von allen Kolonisten ohne Ausnahme, sondern von einem grossen Teil von ihnen. Es ist sogar für die besseren Elemente, die vielleicht zahlreicher sind, als man annimmt, sehr bedauerlich, dass man in verschiedenen massgebenden Kreisen in unrichtiger Weise aut die Allgemeinheit schliesst und demgemäss handelt. Die Bescheideneren bleiben im Hintergrund, während die Anspruchsvollen sich immer vordrängen und so für die oberflächlichen Beurteiler die Bildfläche auszufüllen scheinen. Doch auch einem Teile des arbeitenden Elementes kann der Vorwurf nicht erspart werden, dass er zu wenig Ausdauer und wahre Solidarität besitzt, und dass ein ungeheures Missverhältnis zwischen den klingenden Phrasen ihrer Wortführer einerseits und ihrer Thätigkeif andererseits besteht. Auch aus ihrer Mitte verlassen Viele das Land. Es sind dies sehr oft die besten Elemente vom Standpunkt der Kolonisation, und man kann es ihnen übrigens nicht allzu übelnehmen, da den Meisten thatsächlich kein anderer Auswegübrig bleibt. Noch grösseres Unheil haben die „Chowewe-Zion" im Allgemeinen und das Komitee von Odessa im Besonderen diesbezüglich angerichtet. Nachdem sie von der Lage der Kolonisten und der Arbeiter in Palästina so grosses Aufhebens gemacht, nachdem sie dieselben ermutigt, unterstützt, und durch lärmende Manifestationen, grosse Versprechungen und hohle Phrasen aufgereizt haben, scheinen sie sie fast verlassen zu wollen. Die öffentliche Meinung des Kreises der „Chowewe-Zion" scheint der Kolonisationsfrage bereits müde zu sein. Man hat nachgerade genug von den immer notleidenden Kolonien und den immer vor ihrer endgültigen Niederlassung stehenden Kolonisten. Infolge der widersprechenden Berichte seiner beiden speziellen, sowie eines dritten, in Palästina gefundenen Abgesandten und ihres ständigen Repräsentanten in Jaffa, ist nun das fortwährend zögernde und unentschlossene Comitee seinerseits in gänzliche Bestürzung geraten. Es gefällt sich darin, Fragen zu erörtern, in denen es nichts weniger als kompetent ist, und die bestimmt nie gelöst werden. Es wirft sich auf verschiedene Projekte, um sich das Ansehen der Aktivität zu geben und entwickelt nicht die geringste Wirksamkeit, weder gegenüber den bereits bestehenden Kolonien, noch in Hinsicht auf die zu schaffenden Dinge. Seinerzeit gelang es dem Komitee teils mit Hilfe kleiner Unterstützungen,