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Palästina · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
Date
1902-02-01
Page
Seite 71 (sequence 21)
Language
German
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— 71 - Wäre es nicht eine Ironie der Geschichte, wenn sich die nun schon durch 20 Jahre hinziehende rumänische Judenfrage, die selbst ein so geschickter Diplomat wie Bismarck vergeblich durch einen Machtspruch zu lösen versucht hat, wenn diese Frage in so leichter und für alle Teile so befriedigender Weise durch ein einmaliges grösseres Darlehen gelöst werden könnte? EIN BLICK AUF DIE GEGENWAERTIGE SITUATION DER KOLONIEN IN PAL AESTIN A. Von Dr. Hillel Yofe. (Aus dem französischen Original übersetzt). Es ist selbstverständlich, dass wir, unserem Prinzip gemäss, die Verantwortlichkeit für alle in diesem Aufsatz ausgesprochenen Anschauungen dem geehrten Herrn Verfasser überlassen. So herb auch seine Kritik der Zustände und Institutionen ausgefallen ist, sie verdient jedenfalls als Ausdruck der aufrichtigen Ueberzeugung eines urteilsfähigen und unabhängigen Beobachters, der von wärmster Hingabe für das Palästinawerk erfüllt ist, volle Beachtung, nicht nur von Seite des Publikums, sondern auch von jener der massgebenden Faktoren. Die Redaktion. Dass die jüdischen Kolonien in Palästina nach so vielen Jahren ihrer Existenz gegenwärtig eine schwere Krisis durchmachen, hiesse zu wenig sagen. Sie stehen fast vor dem Zusammenbruch. Die trostloseste Verzweiflung herrscht unter den Kolonisten. Man kämpft noch in einigen Kolonien, indem man die ganze Energie, deren der Jude fähig ist, zusammenzunehmen versucht, um eine halbwegs erträgliche Lösung zu finden, man ist bestrebt — vielleicht zum erstenmal seit dem Bestand der philantropischen Kolonisation — die Situation durch eigene Anstrengung zu retten. Die grosse Mehrheit jedoch ist derart entmutigt, dass sie gänzlich apathisch dahinvegetiert, ohne weiter an die Zukunft zu denken. Viele, besonders die Jungen, haben den Kolonien den Rücken gekehrt, um dank jener Fähigkeit, sich leicht in eine Veränderung der Verhältnisse zu fügen, die zugleich das Glück und der Fluch des jüdischen Volkes ist, anderswo eine neue Heimat zu suchen. Man hat das Gefühl, als wäre man Zeuge der Zerstörung alles dessen, was so viel moralische und materielle Opfer gekostet hat, was gewissermassen den Mittelpunkt der Wünsche eines ganzen Volkes ausmacht. Und was den traurigen Charakter dieser Situation noch verstärkt, ist der Umstand, dass die sozusagen zum Schaffen und Gründen herbeigeholten Kräfte mehr zum Ruin unserer nationalen Thätigkeit beigetragen haben, als alle äusseren Thatsachen oder Mächte. Die Kolonisten und Arbeiter, die „Chowewe-Zion" ,die J. C. A. scheinen selbst das tragische Ende herbeiführen zu wollen. Müde ihrer ersten Organisations-Bemühungen, bei denen sich einige Kolonien durch bewundernswerte Solidarität, gesunden Menschenverstand und Takt ausgezeichnet haben, Hessen sich die Kolonisten bereits zu inneren Streitigkeiten und zu kleinlichen Diplomatenkunststückchen hinreissen. (Der zweite Fluch, der auf unserem Volke lastet).

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