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Palästina · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
Date
1902-02-01
Page
Seite 70 (sequence 20)
Language
German
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70 — Elemente ist eine sehr geringe, und es ist zu hoffen, dass, wenn die nächste Ernte nicht missrät, sämtliche drei Dörfer schon im Herbst auf eigenen Füssen stehen oder doch nur noch ganz geringe Vorschüsse erfordern werden. Die Kosten der Ansiedelung einer Kolonistenfamilie betragen abgesehen von Transport- und Administrationskosten, im Durchschnitt etwa 2000 Mk. Natürlich ist die Voraussetzung bei dieser Berechnung die, dass das Land nichts kostet. Handelt es sich bei den besprochenen jüdischen Kolonien in Anatolien auch vorläufig nur um einen kleinen, noch nicht abgeschlossenen Versuch, so ist es doch klar, dass, im Fall der Versuch glückt, woran kaum noch zu zweifeln ist, eine grosse Entwickelungsmögiichkeit gegeben ist. Der Sultan und die türkische Regierung werden, wie es auch natürlich ist und von massgebenden Stellen wiederholt ausgesprochen wurde, diese Einwanderung begünstigen, falls dieselbe sich in gemässigtem Tempo und in geordneter Weise unter der Leitung und Garantie geldkräftiger Komitees vollzieht. Dass auch die Zahl der möglichen jüdischen Einwanderer eine nicht gar so geringe ist, geht aus der einfachen Thatsache hervor, dass es allein in Rumänien nicht weniger als 100 000 unterstützungsbedürftige Juden giebt. Ich will annehmen, dass die übrigen 150 000 vorziehen werden, entweder in Rumänien zu bleiben, oder in die weite "Welt zu wandern, nach Australien, Argentinien, Kanada, Nordamerika, oder Südafrika, wo sich jetzt überall schon kleine rumänische Kolonien befinden, die in einigen Jahren ihre Verwandten nachziehen werden. Ich will dies annehmen, obgleich es mir nicht wahrscheinlich scheint: es würden dann aber immer noch 100 000 Seelen nachbleiben, entsprechend 20 000 Familien, die zur Begründung von 500 Dörfern genügen würden; sie würden jährlich mindestens 200 000 ha mit Weiden und Gerste bestellen und in normalen Jahren wohl ca. 200 000 Tonnen Getreide ernten, in guten Jahren sogar diese Menge exportieren können. Auch die finanzielle Seite ist kein Hindernis; 20 000 Familien würden zwar eine Summe von 40 Millionen Mark zur Ansiedelung erfordern, oder mit Administrationsspesen, Transportkosten und Emigration spass — selbst die Auswanderungserlaubnis lässt sich die rumänische Regierung noch mit 20 Francs bezahlen — etwa 45 Millionen; da aber die Einwanderung successive stattfinden würde, viele Jahre hindurch, und unterdessen doch die Rückzahlungen der Vorschüsse seitens der älteren Kolonien erfolgen dürften, so wäre schon der dritte bis vierte Teil der angeführten Summe für den Zweck genügend, um innerhalb 20—30 Jahren die Emigration zum Abschluss zu bringen. Wenn man bedenkt, wie viele Millionen die argentinische Kolonisation dem Baron Hirsch gekostet hat, ferner, welche riesige Kapitalien Baron Edmund von Rothschild in die palästinensischen Kolonien hineingesteckt hat, so sollte man glauben, dass, wenn erst die Beweise des Gelingens sicher vorliegen, es nicht allzu schwer sein wird, die für die anatolische Kolonisation nötigen 10—15 Millionen, wenn auch nur ganz allmählich, aufzubringen.

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