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Palästina · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 68

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Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
Date
1902-02-01
Page
Seite 68 (sequence 18)
Language
German
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— 68 — auf einem Gut der in Kairo lebenden Witwe des früheren Valis von Angora an, und zwar waren es etwa 45 Familien mit 183 Seelen, die sich dorthin wandten; diese Gruppe umfasste auch einige gebildete Leute, Fabrikanten, Techniker etc.; weitere 40—60 Familien sollten nachkommen. Die Bewegung griff nach Bulgarien hinüber, und auch in Sofia hatte sich ein Komitee gebildet und Terrain bei Kefkend am Schwarzen Meer erhalten, wo sich 50 Familien mit ca. 250 Seelen ansiedelten. So befanden sich im April und Mai des Jahres 1900 etwa 300 Kolonistenfamilien in Anatolien, und hätten sich ihre Wünsche, auch nur im entferntesten erfüllt, so wäre die Zahl bald bis auf 1000 Familien angewachsen. Die Sache kam aber anders. Als die türkische Regierung sah, dass es sich um lauter unterstützungsbedürftige Leute handelte,. deren Kenntnis im Ackerbau gering und deren Ansprüche an den ohnehin nicht gerade gefüllten Geldsäckel der Regierung gross waren, verbot sie den türkischen Konsuln in Rumänien, die Pässe der jüdischen Emigranten zu visieren, und lehnte Unterhandlungen in Bezug auf Ueberlassung von Terrains fernerhin ab;, auch Vorschüsse wurden nicht weiter bewilligt. Schon nach ganz kurzer Zeit wurde das Elend der bereits nach Anatolien übergesiedelten Kolonisten gross; sie sassen ohne Obdach, ohne Ackergerät, ohne Vieh und ohne Brot auf ihrer so schön erträumten eigenen Scholle. Das ist ungefähr die Situation, die ich vorfand, als ich am Schluss einer Frühjahrs-Orientreise in Konstantinopel eintraf. Ich beschloss, wenigstens eine der Kolonien selbst zu besuchen. Da mir viele der Leute einen ganz guten Eindruck machten, auch ihre Leistungen in Bezug auf Ackerung für Anfänger nicht so schlecht waren, so beschloss ich, das meinige für die armen Leute zu thun. Da ich selbst keine Zeit mehr hatte, liess ich meinen Reisegefährten mit etwas Geld zurück, um auch die anderen Kolonien zu besuchen und ihnen wenigstens Saat und die allernotwendigsten Geräte und Materialien zu verschaffen. In die Heimat zurückgekehrt, versuchte ich dann Wohlthätigkeitsgesellschaften für die Kolonien zu interessieren, was auch insofern von Erfolg gekrönt wTurde, als ein in orientalischer Landwirtschaft bewanderter Fachmann auf Kosten der Jewish Colonization Association dorthin gesandt wurde. Derselbe blieb den Sommer über da, berichtete zuerst in ganz zufriedenstellender Weise, als aber dann die Fieberzeit herankam und unter den schlecht genährten und unter mangelhaften Schutzdächern wohnenden Leuten eine grosse Anzahl Opfer forderte, verzagte er an der Zukunft sämtlicher Kolonien bis auf Kefkend. Er erhielt hierauf den Befehl, die Kolonien aufzulösen und die Leute nach Rumänien zurückzusenden; das ging aber nur bei denjenigen, die sich nicht oder noch nicht als Muhadjirs hatten einschreiben lassen, und da die Leute sich grossenteils sehr an die Scholle attachiert hatten, so suchten viele noch in jener Zeit die Einschreibung zu erlangen, nur damit sie nicht fortgesandt werden könnten; die Muhadjirs sind nämlich gesetzlich gezwungen, mindestens ein Jahr an Ort und Stelle zu bleiben. Trotzdem gelang es allmählich, eine Menge Leute zurückzusenden; Tschelikli wurde ganz geräumt, Dabkis grossenteils, nur 11 Familien versuchten

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