Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 67 (sequence 17)
- Language
- German
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— 67 — Der innere Grund dieser Kolonisation ist, wie schon hervorgehoben, die immer härtere Formen annehmende Entrechtung der Juden in Rumänien. Bekannt ist, wie im Frühling 1900 geradezu ein Auswanderungstaumel die rumänischen Juden ergriff. Wie nach Cypern und Palästina, so wandte sich auch ein Auswandererstrom nach Anatolien. Es war ein Kaffeewirt aus Tuldscha in der rumänischen Dobrudscha, namens Chaskel Schwarz, der als der Pfadfinder dieser Kolonisation zu bezeichnen ist. Er hatte als Dragoman eines Ingenieurs der anatolischen Eisenbahn Gelegenheit gehabt, das Land kennen zu lernen, und da er, wie fast alle älteren Bewohner der Dobrudscha, die ja bis 1878 eine türkische Provinz war, auch türkisch sprach, so kannte er auch die Sitten der Türken und die Methoden der Ansiedelung der mohamedanischen Muhadjirs. Mit einer solchen Auswanderergruppe fuhren nun 21 Familien, sowie 38 junge Leute jüdischen Stammes aus Tuldscha, zusammen 160 Leute, unter Führung des oben genannten Chaskel Schwarz nach Konstantinopel, in der Hoffnung, gleichfalls auf Kosten des türkischen Muhadjirfonds angesiedelt zu werden. Die meisten waren so arm, dass sie nicht einmal die 6—7 Mark der Ueberfahrtskosten von der Donaumündung nach dem Bosporus erschwingen konnten. Schliesslich erhielten sie Land auf einer Sultansdomäne nahe bei Beylik-Ahur, an" der Bahn zwischen Eskischehir und Angora, etwa 60 Kilometer von ersterer Stadt entfernt. Eine Zeit lang erhielten sie täglich ein Laib Brot, später anstatt dessen 30 Para, etwa 12 Pfennig per Kopf, was gerade zur Fristung des Lebens genügt, ferner wurde ihnen ausnahmsweise von der Liste civile ein grösseres Dahrlehen von fast 18 000 Mark gewährt zur Installierung für sich und für nachfolgende ca. 100 Familien, die gleichfalls dort angesiedelt werden sollten. Als Land erhielten sie vorläufig 20 Dunam (etwa 2 ha) per Familie zugeteilt, jedoch mit der Erlaubnis, später so viel Land in Besitz zu nehmen, als sie bebauen würden. Das war mitten im Winter 1899/1900. Unterdessen kamen neue Zuzügler, die ersten primitiven provisorischen Hütten wurden gebaut, Vieh und Ackergeräte wurden angeschafft, und es ging alles ganz gut, bis nur allzu früh das Geld auf die Neige ging. Die Nachricht von der Grossmut des Sultans hatte sich natürlich wie ein Lauffeuer in Rumänien verbreitet, die Kolonisationslust der armen Phantasten nahm daraufhin geradezu lächerliche Dimensionen an. Das türkische Muhadjir-Komitee hatte zu jener Zeit viel Arbeit und viel Verdruss, alle die Petenten zu befriedigen. Eine grosse Gruppe Israeliten, namentlich aus Botosani in der Moldau stammend, erhielt Regierurigsland an einer ausgesucht guten Stelle, in der Gegend des alten Gordion, der Hauptstadt Phrygiens, am Einfluss des Pursak in den Sakaria, direkt an der Eisenbahn, halbwegs zwischen Eskischehir und Angora; hier siedelten sich etwa 50 Familien mit 225 Seelen an. Andere Gruppen zogen die Pachtung von Privatländereien vor, z. B. versuchten sich 35 Familienbei Tschelikli, weiter nach Angora zu, an der Bahn anzusiedeln, dort sollten auch die benachbarten Güter den Kolonisten zur Verfügung gestellt werden mit Raum für 500 Familien. Wieder eine andere Gruppe siedelte sich l1/2 Stunden von Angora