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Palästina · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
Date
1902-02-01
Page
Seite 55 (sequence 5)
Language
German
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— 55 - nisten starben, andere zogen weg. So nahm diese hoffnungsvolle Kolonie (sie trug den Namen „Petach-Tikwah") vorläufig ein Ende, bis sie im Jahre 1882 wieder aufgerichtet wurde. Zu dieser Zeit nämlich beginnt die Masseneinwanderung nach Palästina. In Russland ereignen sich die grausamsten Gewaltthaten gegen die Juden, die Not und das furchtbare Elend erreichen ihren Höhepunkt, der grosse Gedanke der nationalen Selbstbefreiung und zugleich die Idee der Wiederbelebung des alten Vaterlandes tauchen wieder auf und begeistern das gemarterte jüdische Volk. Ein grosser Teil der Auswanderer geht nach Palästina, — es entwickelt sich dort eine fast fieberhafte Thätigkeit. Ohne irgendwelche Pläne ausgearbeitet zu haben, trotz völliger Unkenntnis des Landes und seiner klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, schreiten die Auswanderer sogleich zum Ankauf von Grund und Boden und zur Gründung von Kolonien. Mit einer, man möchte sagen Express-Geschwindigkeit, schiessen die Kolonien, eine nach der anderen, auf. Es erfolgt die Gründung von Rischbn-le-Zion, fast gleich darauf entstehen Sichron-Jacob, Rosch- Pinah, Jessod-Hamaalah, und gleichzeitig wird das obenerwähnte Petach- Tikwah abermals angesiedelt. Keine erfahrenen Leiter, keine fachmännischen Ratgeber standen den Kolonisten zur Seite!, Es folgen Fehler auf Fehler, jeder Schritt ist ein Irrtum. Natürlich machten sich die traurigen Resultate schon bald bemerkbar; dazu kamen noch Missernten, die aus Europa mitgebrachten Mittel sind erschöpft, und die Lage der ersten Ansiedler wird äusserst kritisch, fast verzweifelt. . . . Nun sehen sie sich genötigt, ihre Mitbrüder in Europa um Hilfe zu bitten. Es bilden sich kleine und grössere Unterstützungsvereine, es wird überall Geld gesammelt. Unter vielen anderen war auch der Baron Edmund Rothschild, der auf diesen Notruf zur Hilfe herbeieilte. Indem er zuerst nur kleine Summen für die Kolonisten von Rischon-le-Zion anlegte, gewinnt er allmählich Interesse auch an den anderen Kolonien, wie Sichron- Jacob, Rosch-Pinah, gründet nach kurzer Zeit selbst die Kolonie Ekron, bis er schliesslich fast an allen kolonialen Unternehmungen in Palästina einen Anteil nimmt. Von diesem Moment beginnen die Kapitalien des Barons (bis 1898 beliefen sich seine Ausgaben für die palästinensischen Kolonien auf circa 30 Millionen Francs) in der Fortentwickelung der Kolonien eine bedeutende Rolle zu spielen. Es hiesse nun Allbekanntes wiederholen, wollte ich alle die willkürlich begangenen Fehlschritte der Rothschild'schen Administration hier vorführen. Aber einen Punkt möchte ich hier hervorheben, umsomehr, als er einen tiefgreifenden, zersetzenden Einfluss auf das gesamte jüdische Kolonialleben ausübte und einen mehr oder weniger moralischen Ruin der Kolonisten unvermeidlich nach sich ziehen musste. ... Die Grundlage aller erfolgreichen kolonialen Entwickelung ist unbestreitbar hauptsächlich die kraftvolle Individualität und vollständige Selbständigkeit der Ansiedler. Bei den vielen Ansprüchen, welche die Natur einer jungen Kolonie an die Persönlichkeit der Kolonisten stellt, ist ein Uebermass von Bevormundung ungemein schädlich, vielleicht

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