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Palästina · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
Date
1902-02-01
Page
Seite 56 (sequence 6)
Language
German
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— 56 — viel schädlicher, als ein völliger Mangel derselben. Und gerade dieses Prinzip, welches von der gesamten Kolonialpolitik schon längst verworfen wurde, eben dies ruinierende Prinzip nimmt die Administration in ihre Verwaltungspraxis auf, und rottet jede Initiative, jeden Unternehmungsgeist der Ansiedler grundsätzlich aus! Auf ähnlicher Basis beruht die Entstehung der übrigen Kolonien, die sich im Laufe der 80er Jahre. besonders vermehren (siehe Tabelle). Die Auswanderung der Juden aus Russland und Rumänien ist zu dieser Zeit sehr rapid, ein grosser Strom der Emigranten wird nach Palästina gelenkt und die Zahl der Kolonien wächst enorm. Manche bilden sich selbständig, andere werden durch Gesellschaften gegründet, aber immer vornehmlich mit der Unterstützung des Barons. Ende der 80er Jahre greift ein neuer Faktor in die Entwickelung unserer Kolonisation ein. Den Palästinophilen in Russland gelingt es endlich nach vielen Mühen und Anstrengungen, sich zusammenzuschliessen und eine feste Organisation zu bilden. Es entsteht in Odessa die bekannte Palästina-Gesellschaft, welche sich mit frischer Energie und Selbstlosigkeit der Förderung der grossen nationalen Idee hingiebt. In den 90er Jahren gründet sie im Verein mit dem inzwischen in Paris entstandenen „Comite Central des Choveve Zion" auf ganz anderen, viel rationelleren Grundlagen die Arbeiterkolonie Kastinieh, trifft Massregeln zur Besserung der Lage der Kolonisten in den selbstständigen Kolonien, führt allmählich neue Ordnungen ein und sucht einen frischen Odem in das zerrüttete jüdische Kolonialleben einzuhauchen. Leider aber gelingen ihr diese alle Versuche sehr schwer. Sie hatte zwar einen guten Willen, aber es fehlte ihr an Mitteln und. vor allem an fachmännischen, energischen Leitern. Auch sie hat das System der Bevormundung der Kolonisten nicht aus ihrem Programm hinweggelassen! Mitte der 90er Jahre beginnt auch die Jewish Colonisation Association ihre Thätigkeit in Palästina, beschränkt sich aber vorläufig auf die Unterstützung der Kolonie Mischmar-Hajarden (1896), bis sie 1899 die Verwaltung sämtlicher sogenannten Rothschildschen Kolonien übernimmt. Dass auch ihre administrative Maschine nicht danach angethan ist, in den Kolonisten das Gefühl der Selbständigkeit zu entwickeln, ist bekannt. Und nun kommen wir auf den Punkt, der uns zu unserem eigentlichen Thema zurückführt. "Wir sehen, wie die jüdische Kolonisation, die von vornherein unter ungünstigen Bedingungen ihren Anfang nimmt, ausser mit den üblichen Kinderkrankeiten, welche die Geschichte jeglicher Kolonialarbeit zu verzeichnen hat, noch mit Erscheinungen ganz spezifischer Natur kämpfen musste. Während ihrer ganzen bisherigen Entwickelungsperiode standen die Kolonien unter der vollen Wucht eines Privatwillens oder einer administrativen Despotie. Hierzu tritt die Zersplitterung der kolonialen Verwaltung. Ein derartiges kompliziertes Unternehmen erfordert eine einheitliche, geschlossene Leitung, aber gerade diese fehlt da gänzlich. Neben der Rothschildschen Administration stehen die Kolonisten unter dem Schutz der obengenannten Odessaer Palästina-Gesellschaft, abgesehen von einer ganzen Anzahl noch kleinerer Vereine. Die Verwaltungskörperschaften

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