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Palästina · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
1 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Die wirtschaftliche und kulturelle Wirksamkeit der Juden in Palästina un den Nachbarländern
Date
1902-02-01
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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— 53 — worden, die Düngergewinnung ist erleichtert, die Kunstdüngung ein geführt, Fürsorge für Verbesserung der Geräte getroffen u. a. m. Und wenn wir noch zu dem Angeführten die Gründung von landwirtschaftlichen und sonstigen Schulen, die Meliorations-Einrichlungen, die Beseitigung von schädlichen Sümpfen und andere derartige Neueinführungen hinzuziehen, so können wir die bisherige jüdische Kolonisation im Orient sicherlich nicht als ganz verdienstlos bezeichnen. Und thatsächlich ist die Produktivität des Landes infolge ■dieser intensiven Thätigkeit enorm gestiegen, und der Wohlstand der Bevölkerung hat sich gehoben.2) Soweit also die äusseren Erfolge unserer bisherigen Kolonisationsversuche. Nun taucht natürlich die Frage auf: wie steht es denn mit den Kolonien selbst, ist ihre Lage günstig, kann man ihre Existenz ■als gesichert betrachten? Seit ungefähr 4—5 Jahren ist bei uns die Kolonisationsfrage wieder in den Vordergrund der Diskussion getreten, und trotzdem vieles zur Klärung der Ansichten gethan wurde, fehlt es uns doch an einem richtigen, ohne vorgefasste Meinung und Parteinahme ausgesprochenen Urteil; wie es auch natürlich ist, wenn man im Dunkeln herumtappt. Die Kenntnis der Dinge wurde durch den bisherigen Meinungsaustausch wenig gefördert, und wie ein Gespenst steht noch immer vor uns die Frage „to be or not to be". Das ganze jüdische Volk steht seit dieser Zeit unter dem Druck einer furchtbaren Enttäuschung und bitteren Verzweiflung. Das sind also die Vorteile, die uns der Kampf und die lange angestrengte Arbeit gebracht haben! Das sind nun die Erfolge der ungeheueren Opfer an Menschen und Geld! Solche und ähnliche Klagen hören wir überall, ja es giebt sogar solche, die unsere ganze zwanzigjährige Kolonisationsarbeit als völlig missglückt ansehen und den Juden jede kolonisatorische Fähigkeit absprechen wollen. Sind denn aber die Misserfolge wirklich so schwerwiegend, ist denn dieser ganze Pessimismus berechtigt? Es liegt mir natürlich durchaus fern, behaupten zu wollen, dass unsere Kolonien sich gegenwärtig in einem Blütezustand befinden, oder dass die Kolonisten ein glänzendes Dasein führen. Vielmehr muss man zugeben, dass die Lage der Kolonisten heutzutage eine äusserst kritische ist! Aber haben denn andere Kolonien, in anderen Ländern nicht dieselben Phasen der Entwickelung durchmachen müssen, ist denn dies nicht das Schicksal jeder Kolonisation, die sich noch im Stadium des Versuchens und Konstruierens befindet? Freilich dauert bei uns die experimentelle Periode etwas länger, als bei den andern europäischen Kolonisationsunternehmungen, die Entwickelung unserer Kolonien geht in einem viel langsameren Tempo vor sich, als es nötig wäre; aber wir dürfen an die ungeheueren Unterschiede zwischen den Mitteln, die uns und andern europäischen Nationen zu Gebote stehen, nicht vergessen — schon ganz abgesehen von jenen äusseren Hemmnissen und Hindernissen ganz spezifischer Natur, die bei sonstigen kolonialen Unternehmungen gar nicht vorkommen können! ... 2) Vemet et Dambmann. (Siehe Note 1.)

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