Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Ein Sanatorium auf dem Carmel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 2)
- Language
- German
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— 24 — einzurichten. Hier kämen alle Versuche in Frage,- welche geeignet wären, die intensive Ausnutzung des Bodens zu fördern. Neben Versuchen zur Einbürgerung fremder Obst- und Gemüsesorten habe ich besonders die Hensel'sche Steinmehldüngung im Auge. In Palästina, welches im Altertum bei dichter Bevölkerung ein hervorragendes Weizenexportland gewesen ist, rechnet man heute, wie Soskin als genauer Kenner des Landes berichtet, nur etwa mit dem fünften Korn. Das ist ein trauriges Ergebnis, wenn man vergleichsweise in Betracht zieht, dass in Preussen im. pommerschen Weizacker das zwölfte bis fünfzehnte, in weniger gutem Boden immerhin noch das neunte bis zehnte Korn geerntet wird. — Diese heute in Palästina bestehende Unfruchtbarkeit hat verschiedene Ursachen. In den Gebirgsgegenden ist es der Mangel an Wäldern, welcher auf dem Gestein die Bildung einer Humusdecke von genügender Tiefe nicht zu stände kommen lässt, in der Nähe der Küste ist die fruchtbare Ackerkrume des Altertums von dicken Sandschichten bedeckt. Der Versuch, mit tiefgreifenden Dampfpflügen die unteren Humusschichten heraufzuholen, mit dem Sande zu mischen und ihn so zu verbessern, ist nur stellenweise mit teilweisem Erfolg unter grossen Kosten möglich. Da verdient denn Heusers Lehre von der Steinmehldüngung, welche schon in ihrer, genialen Einfachheit die Gewähr für ihre Wahrheit bietet, sicherlich Beachtung. Hensel lehrt: Die Ackerkrume ist aus verwitterten Felsen entstanden. Die Pflanzen entziehen diesem Boden jahraus jahrein Mineralsalze, während durch die Düngung immer nur Stickstoff zugeführt wird. Dadurch verarmt der Boden der Kulturländer allmählich an Mineralien, wenn nicht, wie in Aegypten, durch regelmässige Ueberschwemmungen immer wieder frische Steinmehlmassen aus den Bergen auf die Felder geführt werden. In früheren Zeiten gab es auch in den europäischen Kulturländern regelmässige Ueberschwemmungen, heute werden dagegen durch die Regulierung der Flussbetten die mitgeführten Steinmehlmassen ungenützt dem Meere zugeführt. Deshalb empfiehlt Hensel seit vielen Jahren, mit zermahlenem Gestein zu düngen, und es bestehen in Deutschland bereits mehrere Steinmehlfabriken, wie auch viele Landwirte bereits in praxi mit grossem Erfolge die Theorie erprobt haben. Ein hauptsächliches Agens für die Zerkleinerung des Gesteins in den Bergen sind neben dem Frost die Wurzeln der Bäume, welche die Felsen sprengen. Diese humusbildende Thätigkeit fehlt fast gänzlich auf den kahlen Bergen Palästinas. Deshalb und auch zur Verbesserung versandeten Bodens ist ein Versuchmit Hensel's Steinmehl* düngung gerechtfertigt. Da aber Versuche im Grossen vorläufig nicht in Frage kommen, so wäre eben eine kleine Versuchsstation wünschenswert, deren wirtschaftliche Fundierung vorläufig durch die Verbindung mit einem rentabeln Sanatorium zu erstreben ist. Ein günstiger Erfolg dieser Versuche wäre für die Bodenkultur des Landes und die mögliche Bevölkerungsdichte von weittragender Bedeutung. Hinfällig ist der oft gehörte Einwand, es läge insofern ein circulus viciosus vor, als das schwach bevölkerte Land nicht genügend Dünger liefere, um den Boden zu vermehrter Produktion anzuregen, auf der