Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 1 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Zur Einführung
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
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— 4 — Allen diesen wollen wir mit unseren Arbeiten die notwendigen sachlichen Unterlagen für eine Unterstützung der jüdischen Orient- Kolonisation bieten, die bisher aus Mangel an solchen zum grossen Schaden für die Judenheit vernachlässigt wurde. Wir wollen Anregungen geben und Mittel und Wege zeigen, wie Palästina neuerschlossen werden kann. Die bisherigen Kolonisationsversuche haben sich hierzu als völlig unzureichend erwiesen. Für die landwirtschaftliche Kolonisation sind neue und bessere Methoden ausfindig zu machen, ausser dieser ist der industriellen und kommerziellen Kolonisation eine erhöhte Bedeutung beizulegen. Die geringen Teilkenntnisse des Landes, die wir besitzen, sind zu vergrössern und zu vertiefen, die Erfahrungen der Nachbarländer und Beispiele aus den entlegensten Gebieten sind heranzuziehen. Man wird lernen, das Land rationeller zu bearbeiten, die Häuser billiger zu bauen, die Brunnen besser zu graben. Man wird die Wasserkräfte und den Wind sich dienstbar machen, veraltete Pflanzungsmethoden durch neuere ersetzen und neue Kulturen einführen. Man wird geeignete Industrien schaffen und die Verkehrsbedingungen verbessern. Man wird in die Landwirtschaft den Maschinenbetrieb einführen und den Bauern und den Handwerkern durch geeignete Handels- und Geldinstitute den Absatz erleichtern und Kredite verschaffen. In dem Maasse, in dem dies gelingt, wird die Palästinafrage und die Judenfrage gleichzeitig und zwar jede von beiden durch die andere gelöst werden. Es kommt nur darauf an, in welchem Tempo sich diese Entwickelung vollziehen wird. Das, was wir hier kurz skizziert haben, würde sich ohne die Juden und ohne eine Palästina-Zeitschrift wohl auch vollziehen, wie es in Persien und . in Patagonien sich ja ebenfalls vollzieht, nur dass uns damit wenig gedient wäre. Es ist ja nicht unsere Sorge, dass Palästina irgendwie wieder zur Blüte gelange, sondern dass Juden aus ihrer doppelt schweren sozialen Not erlöst werden. Wir möchten auch nicht missverstanden werden, wenn wir einem rascheren Tempo der Entwickelung Palästinas das Wort reden: Wir meinen damit nicht Ueberstürzung, sondern Vermeidung von Zeitverlusten. Es giebt da ein naheliegendes Beispiel: Wir könneii getrögt annehmen, dass Aegypten auch ohne die englische Okkupation sich seit dem Jahre 1882 fortentwickelt hätte. Aber wir können ebenso bestimmt sagen, dass der Fortschritt des Landes nur einen Bruchteil der gewaltigen Reformarbeiten ausgemacht hätte, welche englische Energie dort zuwege gebracht hat. Und wir glauben, dass angesichts der palästinensischen und osteuropäischen Judennot und in Ermangelung einwandfreier Immigrationsländer die jüdische Gesamtheit ein zumindest ebenso grosses Interesse daran haben sollte, eine planraässige Orient- Kolonisation zu betreiben, wie es das britische Kolonialreich an der Entwickelung Aegyptens nahm. Es sei uns gestattet, noch .ein besonders aktuelles Citat hierher zu setzen, welches uns in den Äugen vieler rechtfertigen wird, denen die Gedanken, die wir hier entwickeln, bis jetzt fremd waren. Eil} deutscher Reisender, der eben den Orient bereist hat, um mit deutschen Augen um sich zu schauen, schildert in beredter Sprache