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Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland · 1898-03-01 · Heft 5 (März 1898) · p. Seite 19

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Journal
Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
Volume
1898
Issue
Heft 5 (März 1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 Periode war bald vergessen; im Talmud und den späteren rabbinischen Schriften geschieht ihrer, mit Ausnahme einiger Stellen aus Ben Sirah^ fast gar keine Erwähnung; Thora und Talmudstudium bildeten fast ausschließlich die geistige Beschäftigung der großen Menge. Abgesehen von der immerhin überaus fruchtbaren Litteraturepoche der spanischen und portugiesischen Juden, kommen die Juden im 16. und 17. Jahrhundert, mit Ausnahme einiger weniger Gelehrten, mit der Kultur und Wissenschaft der Zeit nicht mehr in Berührung. Es war dieses die traurige Zeit der politischen, gesellschaftlichen und sozialen Ausschließung der Juden und deren Absperrung in den elenden Gassen und Ghettis. Da trat denn im vorigen Jahrhundert hier in Berlin ein jüdischer Philosoph auf, der seine Glaubensgenossen aus der Tiefe der Unkultur heraushebt und sie allmälig in den großen Tempel der Wissenschaft und Civilisation einführt. Ein zweiter ägyptischer Moses war Moses Mendelssohn seinem Stamme; obgleich er oft an der Erhebung seiner Glaubensgenossen zweifelte, indem er sagte: „mein Volk ist so weit von der Kultur entfernt, daß man an seiner Verbesserung verzweifeln möchte", so sprengte er ihm dennoch die Ketten der Unwissenheit, gab ihm durch seine deutsche Bibelübersetzung eine neue, reine Muttersprache und offenbarte ihm in seinem „Jerusalem" und seinen „Morgenstunden" eine ganze Welt von neuen Ideen und Gedanken, die nicht allein den jüdischen Religionsanschauungen und Grundlehren nicht widersprachen^ sondern aufklärende Lichtströme über das Wesen des Judenthums ausgossen. Manchen freilich der Zeitgenossen Mendelssohns und der Nachwelt hat das neue Licht der Wissenschaft und Kultur geblendet, Mendelssohns eigene Kinder konnten es nicht vertragen, und der Kampf zwischen Religion und Wissenschaft fiel oft zu Ungunsten der ersteren aus. Auch in diesem Jahrhundert find viele sonst wackere Männer, denen die innere Kraft, den Kampf zwischen Glauben und Kultur auszukämpfen, abging, fahnenflüchtig geworden. Aber der Wider- und Wettstreit zwischen altem und neuem Glauben, zwischen Religion und Kultur stand einmal auch bei anderen Konfessionen auf dev Tagesordnung der Zeit, — Karl Gutzkow entwirft uns in „Uriel Aeosta" ein Stimmungsbild jener Zeit, — und auch im Judenthum konnte man ihm nicht aus dem Wege gehen. Da dürfen wir denn mit Stolz auf Männer Hinweisen, die diesen Kämpf siegreich für das Judenthum durchgeführt haben, Männer, die das Judenthum wissenschaftlich beleuchteten und durchdrangen und an der Hand der modernen Wissenschaft und ihrer Erforschungsmethode nachwiesen, daß unsere biblische, mischnische, talmudische, gaonäische und rabbinische Litteratur würdig ist, einen Ehrensttz in der Akademie aller Wissenschaften aller Völker und Zeiten einzunehmen. Zunz, Rappoport, Frankel, Grätz, Geiger^ Michael Sachs, Kämpf, Jellinek, Philippson, Joöl u. A., — ich nenne nur große Heimgegangene, — haben unsterbliche Verdienste um das Judenthum und die Wissenschaft fich erworben; sie haben gründlich den Nachweis geführt, daß Judenthum und Wissenschaft nicht im Gegensätze

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