Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Heft 5 (März 1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- - 77. - ' -- ' — 17 — der Vorzeit Ueberkommene, Dauerhafte und Werthvolle geringschätzt. Es war von jeher ein Unglück für das jüdische Volk, es allen umwohnenden Völkern gleich zu thun, Fremdes auf eigenen Boden zu verpflanzen, in dem Wahne, dadurch die Achtung und das Vertrauen Anderer zu gewinnen oder manches Unangenehme, Hemmende und Störende im staatlichen und gesellschaftlichen Leben zu beseitigen oder endlich eine innigere Verbrüderung mit anderen Stämmen herbeizuführen; es war von jeher ein Schicksalswort für Israel, das Wort Qiun „Wir wollen sein wie alle anderen Völker". Schon im 5. Buche Mofis wird bei der Einsetzung des Königthums in Israel auf dieses verhängnißvolle Wort hingewiesen; während ein heidnischer Prophet als ehrendes Merkmal und als eigenthümliche Tugend Israels hervorhebt, „seht, es ist ein Volk, das für sich allein wohnt und in anderen Nationen nicht aufgeht", strebte und strebt man im Lager Israels selbst eine unnatürliche Vermischung mit Elementen an, die unserem Wesen seit den ältesten Zeiten fremd waren und bleiben. Solche Vermischungen hatten die traurigsten geschichtlichen Ereignisse im Gefolge. War denn der syrische Druck eines Antiochus Epiphanes so ganz unbegründet? Halten Sie, verehrte Versammlung, jenen syrischen Antisemitismus für ganz unberechtigt? Lesen sie doch die Bücher der Makkabäer; noch bevor Antiochus seine harten Gesetze gegen Juden und Judenthum erließ, heißt es dort: „in jenen Tagen standen ruchlose Leute in Israel auf und überredeten Viele, indem sie sprachen: „Auf, laßt uns einen Bund schließen mit den Völkern rings um uns her, denn seitdem wir uns von ihnen abgesondert haben, traf uns vieles Unglück." Da haben Sie wiederum, verehrte Versammlung, das verhängnißvolle Wort ^22 „wir wollen sein wie alle Völker". Lesen Sie doch von der Treulosigkeit und Unwürdigkeit der Hohepriester Jason und Menelaos, die, sich ihrer jüdischen Namen schämend/ griechische beilegten und ihr hohes Amt mit aus dem Tempel geraubtem Gelde vom König erkauften, von jenen Hohepriestern, die da wahrscheinlich veranlaßt haben, daß, wie die Mischna in'Joma erzählt, man den Hohepriester vor dem Versöhnungstage einen Eid schwören ließ, er werde an dem Ritus und der Liturgie des hohen Tages nichts ändern; lesen Sie ferner von jenen jüdischen Griechlingen (Hellenisten), jenen syrischen Salonjuden, die jeden Verkehr mit ihren Glaubensgenossen abbrachen und um den Händedruck eines vornehmen Griechen buhlten oft aber auch mit einem Fußtritt fürlieb nahmen; lesen Sie endlich von jenem Verräther Simon, der seine Glaubensgenossen bei der syrischen Obrigkeit verleumdete und anschwärzte, und Sie werden die grausamen Dekrete des Antiochus begreifen. Und was war es denn eigentlich, was jene Griechlinge von den Völkern rings umher annahmen? Vertieften sie sich etwa in die klassische Kultur und Wissenschaft, erbauten sie sich an den Gesängen Homers, bewunderten sie das Zeitalter des Perikles oder studirten sie die philosophischen Schriften eines Plato und Aristoteles, — nichts von alledem: Aeußerlichkeiten waren es, wozu es weder Verstand und Geist, noch Gemüth und Seele bedurfte; Rennbahn,