Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Heft 5 (März 1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Geschichte und Litteratur, dessen wesentliche Basis Kultur und Wissenschaft ist, das Wort ergreifen muß, Glauben und Wissenschaft dem müden Körper neue Kräfte und dem abgespannten Geist neue Säfte zuführen werden. Sehr geehrte Damen und Herren! Religion und Kultur, Glauben und Wissenschaft rangen bereits im Alterthum im Judenthum um den Vorrang und beeinflußten in dem Grade, in dem sie sich behaupteten, das religiöse Leben, Denken und Empfinden. Mehr als tausend Jahre kämpfte der Monotheismus mit dem Polytheismus um die Herrschaft über Geist und Gemüth Israels; nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil und dem Wiederaufbau des zweiten Tempels hatte der Monotheismus gesiegt, und man durfte die berechtigte Hoffnung hegen, die heidnischen Götter und ihre Verehrung seien für alle Zeiten aus Israels religiösen Anschauungen verbannt. In der That ordnete und regelte der reine Glaube, die väterliche Religion, lange Zeit allein das innere und äußere Leben unserer Altvorderen. Da tauchte eine andere Gefahr für die Reinheit des Judenthums, seine Lehren und Wahrheiten auf: die Berührung der griechischen Kultur mit dem Judenthum. Seit den siegreichen Zügen Alexanders des Großen lernten die Juden griechisches Wesen, Sitten und Gebräuche, Kultur und Wissenschaft der Griechen kennen, und hier begann durch die Verschiedenheit der Weltanschauungen über die höchsten Fragen des Lebens, vor allem über die höchsten göttlichen Dinge, jenes gewaltige Ringen, in welchem Judenthum und Juden Anfangs zum Theil besiegt wurden, später aber geläutert und innerlich gekräftigt, ihren religiösen Charakter und ihr ursprüngliches Wesen behaupteten. Es war um die Zeit vor und nach der Negierung des syrischen Königs Antiochus Epiphanes, also in der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts, als dieses Ringen zwischen Judenthum und Griechenthum, zwischen Glauben und Kultur zum Theil zum Austrag gebracht wurde, eine bestimmte Prägung erhielt, eine Scheidung und Klarstellung der grundverschiedenen Weltanschauungen zu Tage trat. Geehrte Damen und Herren! Jedes Jahr, wenn wir das Chanukahfest feiern, legen wir den Schwerpunkt der historischen Betrachtung jener alten Zeit in die heldenmüthigen und siegreichen Kämpfe der Makkabäer und verherrlichen diese todesverachtenden Kämpfer für das Judenthum und seine heiligsten Religionsgüter; die Vorgeschichte und die tiefere Veranlassung dieser Kämpfe werden oberflächlich gestreift; wir lieben es, die Tugenden unserer Vorfahren in das Helle Licht zu stellen, der Gegenwart vorzuhalten, damit sie uns auch noch heute Sporn und Anregung seien, allein wir unterlassen es, länger bei den Fehlern und Untugenden unserer Väter stille zu stehen, und gerade aus diesen können wir vieles lernen, was uns als Warnung und ernste Mahnung dienen kann; ich meine jenen Charakterzug unseres Stammes, der immer nach dem Fremden, Nichtjüdischen, äußerlich Glänzenden und Schillernden hinüberschaut, das eigene Gediegene, aus