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Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland · 1898-03-01 · Heft 5 (März 1898) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
Volume
1898
Issue
Heft 5 (März 1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 „das Buch" bezeichnet wird, das Buch der Bücher ist der Leitfaden für die Erziehung des Menschengeschlechts geworden. Gegen den Inhalt dieses biblischen Kreises nun steht die spätere Geschichte der Juden und die nachbiblische sogenannte rabbinische Litteratur weit zurück. Der Unterschied ist, als wenn man eine Hügelkette mit den Alpen oder einen kleinen Teich mit dem Ozean vergleichen wollte. Und hierin liegt die gedachte Schwierigkeit. Fast das ganze Interesse wird von jenem alten Schriftthum mit seinen typischen Gestalten angezogen und absorbirt, und immer wieder stößt man auf die Frage: „Lohnt es denn überhaupt, sich mit der späteren jüdischen Geschichte und Litteratur zu beschäftigen? Ist das nicht eine Sache, die man den Fachmännern und den Lokalforschern überlassen sollte?" Aber diese Anschauung ist unrichtig, und die Aufgabe Ihrer Vereine, meine Herren, ist es, den Beweis hierfür zu erbringen. Das Judenthum kann nur als ein Ganzes betrachtet werden, als etwas noch Lebendes und Lebensfähiges. Und wenn kein Verständniß der Zwischenglieder gewonnen wird, die die heutigen Juden mit den Gestalten der Urzeit verbinden, so entsteht in den Köpfen die größte Verwirrung, zum Unheil nicht nur der Juden felbst. Lassen Sie mich auf das obige Bild zurückkommen. Die moderne Wissenschaft beschränkt ihre Thätigkeit nicht auf die Untersuchung der Alpen und der Meere. Sie hat gelernt, auch die minder auffallenden Phänomene zu erklären. -Sie versteht es, nachzuweisen, daß da, wo wir heute nur eine Ebene sehen, vor Zeiten ein hohes Gebirge seine gletscherbedeckten Zinnen emporstreckte oder ein Ozean seine Fluthen wälzte, und zieht hieraus ihre wichtigsten Folgerungen. So verhält es stch auch mit der jüdischen Geschichte und Litteratur seit der Zeit der Zerstreuung. Sie will studirt sein, um ihre Schätze zu erschließen. Es wäre gewiß unrichtig, zu sagen: die Weltgeschichte ist nur die Geschichte Israels. Aber es ist ebenso unrichtig, zu sagen: Die nachbiblische Geschichte und Litteratur der Juden spielt keine Rolle mehr in der Weltgeschichte und Weltlitteratur. Die spätere jüdische Geschichte und Litteratur fließt allerdings nur in schmalen Rinnsalen; aber diese haben dieselbe Struktur wie der große Strom der Weltgeschichte und machen alle seine Windungen und Biegungen mit. Die Geschichte des Judenthums ist im innersten Kern nichts als die Geschichte des monotheistischen Gedankens. Und die Weltgeschichte selbst — mag es auch bezweifelt werden, ob sie andere Kulturfortschritte der Menschheit aufweist — das Eine ist doch unbezweifelbar: Sie beweist die fortschreitende und sich immer mehr ausbreitende Macht des von einem einzelnen Ursprungsort ausgegangenen monotheistischen Gedankens, der, ob auch verdunkelt, immer wieder in vollster Folgerichtigkeit durchbrechen wird. Meine Herren! Tragen Sie in Ihren Vereinen fleißig die einzelnen Bausteine zusammen;, aber vergessen Sie auch nicht, den Blick von

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