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Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland · 1898-03-01 · Heft 5 (März 1898) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
Volume
1898
Issue
Heft 5 (März 1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 anderen Universitätslehrern, welche vom Ausschuß des Gemeindebundes aus seiner Mitte abgeordnet wurden. Es war Fürsorge getroffen worden, daß diese Kommission in voller wissenschaftlicher Unabhängigkeit wirken konnte; sie hat denn auch durch Herausgabe wichtiger geschichtlicher Urkunden aus dem Mittelalter und der neueren Zeit, durch Aufstellung einer vollständigen Regestensammlung vom ersten bis zum dreizehnten Jahrhundert und durch Bearbeitung älterer litterarischer Erzeugnisse nach den neuesten Methoden moderner Forschung die Wissenschaft bereichert. *) Aber schon auf dem Gemeindetag des Jahres 1888 zeigte es sich, daß ihre Thätigkeit nicht ganz den Erwartungen entsprach, die ein großer Theil der deutschen Judenbeit auf fie gesetzt hatte. Sie war von einer zu fachmännischen Wissenschaftlichkeit, als daß sie rechte Fühlung mit dem größeren Publikum gewinnen konnte. In die Lücke, die sich durch diesen Umstand bemerkbar machte, traten nun die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur. Sie werden sich erinnern, verehrter Herr Präsident, welche Begeisterung Sie in uns erregten, als Sie uns eines Tages mit der Nachricht überraschten, in einer Versammlung sei am Tage vorher — ich glaube, nur ganz gelegentlich — die Idee zur Gründung eines solchen Vereins in Berlin angeregt worden. Sie gingen dann eifrig an die Arbeit, und schon nach einigen Wochen konnten wir in einem Saale in der Beuthstraße eine Versammlung abhalten, in der der Berliner Verein für jüdische Geschichte und Litteratur konstituirt, die Satzungen angenommen und der erste Vorstand gewählt wurde. Freilich, daß die dadurch angefachte geistige Bewegung einen solchen Umfang annehmen, daß sie sich über ganz Deutschland fortpflanzen und daß schon nach wenigen Jahren ein mächtiger Verband solcher Vereine bestehen würde, das hat damals wohl Keiner von uns ahnen können. Meine Herren! Die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte und Litteratur hat eine Besonderheit, welche eine große Schwierigkeit in sich schließt. Auch in der Geschichte anderer Raffen giebt es Epochen von verschiedenem Werthe; auch in der Litteratur anderer Stämme unterscheiden sich klassische und minder bedeutende Perioden. Aber bei der jüdischen Geschichte und Litteratur ergiebt sich folgendes Bild: Wir haben eine antike Geschichte, wie sie bedeutender und großartiger nicht gedacht werden kann. Aus ihrem mythischen Halbdunkel leuchten jene heroischen Gestalten in scharf umriffenen Charakterzeichnungen zu uns herüber — riesenhaft selbst in ihren menschlichen Schwächen. Die Litteratur, welche sie schildert, ist zur wichtigsten Grundlage der modernen Bildung geworden, welche sich schon heutzutage nicht mehr auf Europa beschränkt, sondern den ganzen Erdball zu umspannen im Begriff steht. Diese Litteratur, die mit Recht allgemein als die „Bibel", das heißt i) Der Historischen Kommission gehörten bis jetzt an die Profefforen Stobbe, Wattenbach, Weizsäcker, Breßlau, Geiger, Gierke, Dümmler, Lazarus, Steinthal, Direktor Baerwald, Geheimer Sanitätsrath Kristeller.

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