Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1898
- Issue
- Heft 5 (März 1898)
- Date
- 1898-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 wesentlich zur Hebung der allgemeinen Wohlfahrt und Gesittung bei- -getragen hat und in gleicher Weise noch heute diese seine providentielle Sendung erfüllt; es soll endlich das Bewußtsein des äußeren und inneren Zusammenhanges und das Streben nach Einigkeit Ln ihnen gestärkt werden durch die Erwägung, daß wir uns nur durch jenes Bewußtsein und dieses Streben in dem fast überall gegen uns entfesselten Kampf zu behaupten und unsere auf Wahrheit und Menschenliebe gerichteten Ziele zu erreichen vermögen. Das sind, soweit ich sehe, die Zwecke, welche die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur verfolgen. Sind das nun nicht auch die Zwecke, die jeder Rabbiner in seine Wirksamkeit einbeziehen muß? Schon bei der ersten Versammlung unseres gegenwärtigen Rabbinerverbandes in Deutschland im Jahre 1884 wurde von dem Referenten zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung: „Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes re." — es war Herr Dr. Vogelstein gewesen — in der seinen Ausführungen beigegebenen „Begründung" unter anderem folgendes „als dringende Forderung der Gegenwart und als heiligste Aufgabe jedes Rabbiners" aufgestellt: 6. Veranstaltungen zur Belehrung der Erwachsenen: 1. durch Bezugnahme auf hervorragende Personen und bedeutsame Ereignisse aus der jüdischen Geschichte in den gottesdienstlichen Borträgen; 2. durch Vorträge außerhalb des Gotteshauses über das Judenlhum und seine Geschichte nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern auch in den Nachbargemeinden Mandervorträgej; 3. durch Herausgabe geeigneter unterhaltender und zugleich belehrender Schriften lLitteraturvereinej." x) Sie sehen daher, hochverehrte Anwesende, daß der Rabbinerverband schon vor der Gründung der gegenwärtigen Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur alle Zwecke derselben als heilige Aufgabe jedes Rabbiners bezeichnet hat, womit selbstverständlich das hohe Verdienst Ihres geschätzten Vorsitzenden um die Gründung dieser Vereine nicht im Geringsten geschmälert werden kann. Denn ein Anderes ist es, etwas als eine wichtige Aufgabe hinstellen, und ein Anderes wiederum, diese Aufgabe ihrer Lösung entgegenzuführen. Die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur bilden, davon bin ich überzeugt, einen Markstein in der Geschichte des modernen Judenthums. Sie sind ein vollständiges Novum in unserer Geschichte, denn der von Ludwig Philippson um die Mitte der fünfziger Jahre gegründete Litteraturverein war bei allem Segen, den er für seine Zeit gestiftet hat, doch mehr eine Art Verlagsanstalt zur Verbreitung von Schriften über die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. x) Vergl. Verhandlungen und Beschlüsse der Rabbinerversammlung zu Berlin am 4. und 5. Juli 1684. Verlag von Walter & Apolant. S. 94.