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Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland · 1898-03-01 · Heft 5 (März 1898) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
Volume
1898
Issue
Heft 5 (März 1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 jüdischer Poesie Erholung und Jugendkraft zu schöpfen, ist Lohn, der reichlich lohnet. Wenn es uns, den Aeltesten der jüdischen Gemeinde, obendrein Bedürfniß war. Ihnen zu danken und Sie willkommen zu heißen, so leitet uns noch ein anderer Gedanke als die bloße ideale Freude an der Wissenschaft und die Sympathie für ihre Jünger. Wir sind uns bewußt, daß die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur eine hohe und heilige Mission zu erfüllen haben, und daß ihr Wirken und Schaffen nicht blos der Wissenschaft und den Vereinsmitgliedern, sondern der Religionsgemeinschaft, dem Judenthum selbst zu gute kommen soll. Heilige Satzung ist dem Juden die Kenntniß der Geschichte. In dem Schlußgesang, den der große Stifter unserer Religion als sein Testament dem Volke Israel hinterlaffen hat, heißt es: „Gedenket der Tage der Vorzeit, Erwäget die Jahre vergangener Geschlechter." Heute, in sturmbewegter Zeit, wo antisemitischer Haß und neophytischer Verrath an den Vesten des Judenthums rütteln, da bewährt sich der Scharfblick des großen Propheten. Geschichte ist Bewußtsein und Wissen, und Wissen ist das Leben. In der Welt der sinnlichen Genüsse und der Daseinsfreude mag der Dichter Recht haben, der da sagt: „Nur der Jrrthum ist das Leben, und düs Wissen ist der Tod." Wer wird des Heute sich freuen, wenn er des qualvollen Gestern und des ungewissen Morgen gedenkt! — Aber in der Welt der Ideen und der Pflichten gilt der Satz nicht. Wer wird im Kampfe der Ideen und der Ueberzeugungen bestehen, wenn ihn das Wissen nicht stark macht? Seid stark und fest! Sollen wir Treue bewahren und Haß abwehren, so müssen wir uns mit dem Geiste unserer Geschichte, mit der Wahrheit und Reinheit unserer Lehre erfüllen. Unsere Lehre zwingt uns kein Opfer des Intellekts auf; unser Glaube fängt nicht an, wo das Wissen aufhört. Unsere Religion, die der Welt den Dekalog, das Sittengesetz, das Pflichtgefühl, die Nächstenliebe gegeben und von falschen Idealen der Lebensentsagung und Selbstverleugnung sich fern gehalten hat, kann und muß uns mit Stolz erfüllen, der einzige Gott und das Gesetz! weshalb sollten wir das Wissen fürchten? Unsere Geschichte, eine Geschichte wechselvoller Leiden und unvergänglichen Duldens, sie läßt uns inne werden, daß der Gedanke des Judenthums werth ist, daß wir um seinetwegen leiden, daß er erhaben ist über der Mächtigen Gunst und der Menschen Haß. Erfüllen wir uns mit dem Stolz unserer Geschichte, unseres Wissens, unseres Glaubens, und an dem Felsen des Judenthums wird der Antisemitismus, der im philosophisch-ethischen Gewände einherschreitet, ebenso abprallen, wie der Antisemitismus der Gasse. Seien wir fest und stark; der Gedanke, daß das Judenthum aufsteigt, wenn Menschlichkeit, Bildung und Wahrheit Triumphe feiern.

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