Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 26 (Dezember 1918)
- Article
- An die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur
- Date
- 1918-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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würden von Obrigkeits wegen eingesetzt sein und, nach einer alten Erfahrung, dann weniger Anklang finden als die jetzigen freien, von einem selbstgewählten und der Mitgliedschaft Verantwortlichem Vorstand eingerichteten. Auch für die Neutralität der Veranstaltungen kann dann niemand die Gewähr übernehmen, denn in unseren Gemeindeverwaltungen herrschen vielfach politische Gesichtspunkte vor und wird nach dem Machtprinzip der Majorität entschieden. Als berechtigt muß an den vorgetragenen Forderungen anerkannt werden, daß die Gemeinden mehr als bisher durch Beiträge, durch Unterstützung der Bibliothek, durch Hergabe von Lokalen den Vereinen ihre Förderung angedeihen lassen. Wie in alter Zeit jede Gemeinde ihr Beth Hamidrasch unterhielt, so wäre es Pflicht der heutigen Gemeinde, dem Literaturverein ein Heim und Mittel zu gewähren. Das hieße, alten Juwelen eine neue Fassung geben! An den Vereinen aber ist es, diesen von Gustav Karpelesoft gebrauchten Vergleich mit dem Beth Hamidrasch zur Richtschnur ihrer Tätigkeit zu nehmen. Charakteristisch am alten Lehrhaus war der Eifer seiner Besucher, die persönliche Arbeit, das Streben durch eigenen Fleiß das Wissen zu bereichern. Wohl fanden auch Vorträge statt, aber die Hörer blieben nicht Passiv, sie arbeiteten mit und arbeiteten außerhalb der Vortragszeit für sich selbst. Eigene,Arbeit muß auch in unseren Literaturvereinen mehr als bisher in den Mittelpunkt treten. Mit Paradevorträgen geht es im Augenblick nicht, die gegenwärtigen hohen Reisekosten gebieten von selbst eine mögliche Beschränkung in der Berufung auswärtiger Redner. Auch ist die Zahl der Berühmtheiten, die eine echt jüdische Kinderstube hatten und deren Geist im Glanze ihres Herrenzimmers festgehalten haben, allmählich im Aussterben. Aus der Not muß eine Tugend gemacht werden, die Vereine müssen mehr Arbeitsals Vortragsabende einrichten, belehrende Kurse schaffen, abgerundete G e bi ete behandeln, ihre Mitglieder nicht nur unterhalten, sondern auch unterrichten! Wenn irgend etwas über die nächste Zukunft^mit 11