Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 26 (Dezember 1918)
- Article
- An die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur
- Date
- 1918-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— 4 — Sicherheit vorhergesagt werden kann, so ist es dies, daß die Zeit weniger knapp sein wird als vor dem Kriege, und daß das Fortbildungs-, das Volkshochschulwesen einen viel breiteren Raum im öffentlichen Leben einnehmen wird, als vordem. Nutzen wir diese Strömung und Stimmung für unsere gute Sache! So häufig ist uns aus dem Felde berichtet worden, daß unter den jüdischen Soldaten ein wahrer Heißhunger nach jüdischem Wissen herrscht' jetzt wollen wir ihnen Gelegenheit bieten, ihn zu stillen; die schöne Einladung der Pessach- Haggada, „wer hungrig ist, der komme und esse mit", muß die Losung unserer Vereine sein! Aber von der Gelegenheit zu lernen muß Gebrauch gemacht, der Lerneifer muß geweckt werden. Von selbst fliegt das Wissen nicht an; das ist die Erklärung dafür, weshalb in den letzten 30 Jahren, ungeachtet aller Ausdrücke der Begeisterung, das jüdische Wissen zurückgeht. Als unsere Väter am Sinai standen, da gelobten sie: „Wir wollen tun und hören." Eine fertige Offenbarung hat es nur jenes eine Mal gegeben, seitdem bildet „das Tun und Hören" unsere Aufgabe! Wie die einzelnen Vereine, bleibt auch der Bestand des Verbandes eine Notwendigkeit. Das sage ich nicht, weil ich als Vorsitzender am Amte klebe — ich harre des Tages, an dem ich es meinem Nachfolger übergeben kann — sondern weil eine Zentralstelle erforderlich bleibt, auch wenn die Gemeinden die Tätigkeit der Vereine übernehmen sollten. Aufgaben, wie die Versorgung der kleinen Vereinen mit wissenschaftlichem Material für Vorträge, die Erteilung von Auskünften, die Herstellung der Rednerliste, die Herausgabe des Jahrbuchs können in der gegenwärtigen oder in verbesserter Gestalt nur von einer Zentrale ausgehen. Den Verband brauchen wir auch zur U n t e r st ü tz u n g der kleinen Vereine. Für diesen Zweck müßten erheblich größere Mittel zur Verfügung stehen als bisher. Zu den Grundsätzen der neuen Welt gehärt das Lebensrecht der Schwachen und" die Solidarität der Starken mit ihnen.