Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 26 (Dezember 1918)
- Article
- An die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur
- Date
- 1918-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 - gehen mag, gern das gemeinsame Vaterhaus aufsuchen», so wurden unsere Vereine neutrale Statten, in denen die Vertreter gegensätzlicher religiöser Anschauungen zu gemeinsamer Vertiefung in die jüdische Vergangenheit sich begegneten. Das warme jüdische.Herz und die bezaubernde Persönlichkeit unseres unvergeßlichen Führers Gustav- Karpeles boten die sichere Gewähr dafür, daß die Literaturvereine nie aufhören würden, Gemeinschaftsboden zu sein, daß in ihnen niemandes religiöse Meinung verletzt werden würde. Von Jahr zu Jahr gewann die Bewegung neue Anhänger, allmählich bildeten sich mehr als 200 Vereine im ganzen Deutschen Reiche, die mit Eifer und Freude an ihrer Aufgabe arbeiteten. „Inter arma silent literae“, bei Kriegsausbruch haben zahlreiche Vereine ihre Tätigkeit eingestellt, ihr Vermögen vaterländischen Zwecken geopfert», die lange Dauer des Krieges, die Häufung der Sorgen in den Familien und die Erschwerung aller Lebensverhältnisse ergaben für eine Reihe weiterer Vereine die Unmöglichkeit, die Arbeit fortzusetzen. Nun geht der Krieg, seinem Ende entgegen, wir dürfen an unsere Vereine die dringende Mahnung richten, sich wieder zu sammeln und ihre Tätigkeit aufzunehmen! Jetzt heißt es, alle Kräfte auf die Friedensarbeit verwenden, die alten Kulturgüter von neuem pflegen! Von mehreren Seiten ging neuerdings der Vorschlag aus, die bestehenden Vereine aufzulösen und ihre Tätigkeit von den jüdischen Gemeinden fortsetzen zu lassen. Das mag an manchen Orten vielleicht angebracht sein» darf aber keineswegs verallgemeinert werden. Gemeindeverwaltungen werden zur Erledigung ganz anderer Aufgaben gewählt, nach ganz anderen Gesichtspunkten zusammengesetzt, es ist sehr fraglich, ob sie zur Erfüllung literarischer Aufgaben die Fähigkeit und Neigung besitzen. Die Leitung wird daher in den meisten Fällen einer Kommission übertragen werden müssen, der dieselben Mitglieder angehören werden wie bisher dem Vorstand, nur daß sie in der Freiheit ihrer Entschließung durch die Auftraggeberin gehindert sein werden. Die Veranstaltungen aber