Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 19 (Dezember 1911)
- Article
- Zur Geschichte des Verbandes
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 sehr viel mit Literaturbesprechungen und Literaturvereinen befassen. Die Versammlung beschließt, die Anregung Essen vorläufig für die nächste Tagung zurückzustellen. Bezüglich der Rednerliste wird der Antrag Thorn verlesen: „Der Verbandstag wolle beschließen, mit Rücksicht auf den Hauptzweck der Literaturvereine, der in einer möglichst weiten Verbreitung von Kenntnissen in der Geschichte des Judentums besteht: 1. bei der Wahl der Vortragsthemen für eine größere Anpassung, derselben an den obengenannten Zweck Sorge zu tragen, 2. eine größere Heranziehung von Vereinsmitgliedern zur eigenen Betätigung durch kleinere Vorträge und Referate anzustreben. 3. Der Verbandstag wolle beschließen: „In die jährlich erscheinende Rednerliste sollen nur solche Redner ausgenommen werden, die dem Verbandsvorstande nach sorgfältiger Prüfung geeignet erscheinen, die den Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur gestellten Aufgaben zu fördern." Professor Horrowitz begründet diesen Antrag: „In der Reihe der jüdischen Institutionen nehmen die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur eine hervorragende Stellung ein. Sie sind es, die für unfern Glauben eintreten und die Lehren und Kenntnisse des Judentums verbreiten wollen. Diese Aufgabe ist nicht leicht. Es ist vielfach mit Dankbarkeit und Liebe des verewigten Gustav Karpeles gedacht worden, der mit beispielloser Liebe die Vereine gefördert hat, dessen Werk weiter fortzusetzen unsere höchste Aufgabe ist. Es handelt sich in unfern Vereinen nicht so sehr um gelehrte Studien, als darum, in den kleinen Städten und Mittelstädten die Kenntnisse der jüdischen Geschichte und Literatur möglichst weit zu verbreiten, der Masse Aufklärung zu bringen, denn wer das- Judentum kennt, lernt es lieben und schätzen, und das beste Mttel, die Liebe und Treue zu erhalten und den Stolz auf das Judentum wachzurufen, ist die Verbreitung der Kenntnisse der jüdischen Geschichte und Literatur. Es ist nicht nur die Aufgabe der Kanzel, sondern auch Aufgabe des Laien, den sittlichen, ewigen Inhalt deS Judentums zum Eigentum der Menge zu machen. Es müssen nicht nur Gelehrte, sondern auch Laien als Redner gewonnen werden, und die Vereine oder eventl. der Verband müßten ihnen das notwendige Material zur Vorbereitung der Vorträge liefern." In der sehr anregenden Debatte, an der sich die Herren Kälter-Danzig, Mannheimer-Oldenburg, Lo ese r-Berlin, Strauß - Elberfeld, Ro senthal - Cöln, Goldschmidt- Dortmund, G o ld mann-Oppeln beteiligten, wird der Antrag Thorn allgemein gutgeheihen. Es wird außerdem der Wunsch ausgesprochen, daß die Vereine, wie es besonders im Rheinlande mit bestem Erfolg geschehen ist, die Vortragsthemen stellen und dafür Redner zu gewinnen suchen. Der Verein Köln hat sogar wiederholt ganze Cyelen in dieser Weise halten lassen und beabsichtigt, im nächsten Winter sämtliche Vorträge um die Jubiläumsfeier der Emanzipation der preußischen Juden zu gruppieren. Auch Kurse nach dem Muster derer, die in Berlin lange Fahre bestanden haben.