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Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland · 1911-12-01 · Heft 19 (Dezember 1911) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
Volume
1911
Issue
Heft 19 (Dezember 1911)
Article
Zur Geschichte des Verbandes
Date
1911-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Produkt der neueren Zeit, ist hervorgerufen worden zunächst durch die Notwendigkeit der Abwehr. Als die Juden Bürgerrechte forderten, muhten sie Nachweisen, daß sie schon lange im Lande wohnten, daß ihre Rechtszustände früher günstiger gewesen waren, nur im' Laufe der Zeit sich verschlechtert hatten und daß ihre äußere soziale, unglückliche Lage durch die Verschlimmerung ihrer Rechte herbeigeführt wurde. Da man ihnen entgegenhielt, daß sie bis dahin fiir die Weltkultur nichts geleistet hätten, mußten sie auf ihre reiche Literatur Hinweisen, die ein wichtiger Beitrag zur Wissenschaft und Kultur gewesen ist und sehr wertvolle ethische Lehren enthält. Diese Notwendigkeit der Abwehr und der Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte ist auch heute noch vorhanden, aber das darf nicht das letzte Ziel sein! Die letzte Aufgabe ist die, das Studium der jüdischen Geschichte und Literatur als Selbstzweck zu betreiben, damit wir unsere Geschichte kennen lernen, damit wir wissen, wie unsere Väter gelebt und gedacht, was sie geleistet und gewirkt haben, damit wir wissen, daß wir überhaupt Väter hatten. Was unserer Zeit besonders nottut, ist ein gesundes, gefestigtes Selbstbewußtsein, in der Ueberzeugung, einem alten, starken Stamm entsprossen zu sein, der in der Welt und für die Welt viel geleistet, der Aufgaben geschaffen, die fortzusetzen sind, Gedanken in die Welt gesetzt hat, an denen wir weiter zu arbeiten haben. Darum nennt man die Geschichte eine aristokratische Beschäftigung, weil sie den Menschen mit einem Hochgefühl erftillt, ihm das Bewußtsein einer Vergangenheit gibt und ihm darin eine Stütze für die Zukunft bietet. Nur eine Gemeinschaft, die fest in der Vergangenheit wurzelt, kann für die Zukunft wirken, für die wir vor allem in unserem Verbände zu arbeiten entschlossen' sind." — Reicher Beifall lohnte den Redner. Dr. Wohlgemuth begrüßt die Versammlung im Namen des Rabbinerseminars und gibt der Sympathie Ausdruck, deren sich der Verband erfreut. Auf Anregung von Professor Philippson wird beschlossen, in die Beratung der Statuten einzutreten und im Anschluß an dieselben, die gestellten Anträge, sowie die in der Versammlung bereits ^gegebenen Anregungen zu beraten. Im Anschluß an § 3 begründet Rabbiner Dr. Samuel-Essen seinen Antrag: „Der Verbandstag wolle beschließen, eine periodische Zeitschrift als Verbandsorgan zu begründen, die populären und wissenschaftlichen Charakters sein und ganz den Interessen der Literaturvereine dienen soll." In der darauf folgenden Debatte werden bei aller Anerkennung der wertvollen Anregung doch schwere Bedenken in Bezug auf die Durchführbarkeit des Antrags geltend gemacht. Abgesehen von den materiellen Schwierigkeiten, denen der Verband bei seiner sehr schwachen finanziellen Grundlage keineswegs gewachsen wäre, fehle uns auch im Augenblick noch die nötige Kraft zur Leitung und Ausgestaltung eines solchen Organs. Es wäre ferner eine Zersplitterung zu befürchten, da auch die vorhandenen jüdischen Zeitschriften sich

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