Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1903)
- Article
- Verbandstage der Literaturvereine
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 empfohlen, wenn er sich nicht seit mehreren Jahren so gut bewährt und so reich belohnt hätte. Unser Erfolg entsprach allen berechtigten Hoffnungen; mindestens ein Drittel des gesamten jüdischen Personals unserer Stadt besuchte unsere Kurse. Und man wird zugeben, daß Essen eine der industriereichsten Städte Deutschlands ist, in der das Erwerbsleben geradezu fieberhaft pulsiert; und für Vergnügungen oder Zerstreuungen höherer und niederer Art ist mehr als ausreichend gesorgt. Aber so mancherlei kam uns zu Hilfe, und das steht überall zur Verfügung: Ein gewisser Trieb zum Weiterlernen, der dem jüdischen und deutschen Charakter gemeinsam ist und sich auch in unserer Jugend nicht verleugnet. Sodann das natürliche Streben nach einem Gegengewicht gegen die oft gar öde und eintönige Tagesarbeit; endlich die doppelte Not der Zeit, die sie als Juden empfinden. Nicht als ob es schlimmer geworden wäre mit der judenfeindlichen Bewegung, oder gewisse Gegenden besonders zur Abwehr Veranlassung hätten; in Essen ist z. B. eher das Gegenteil der Fall. Aber die Atmosphäre der Beklemmung und der Unsicherheit lastet noch auf den Gemütern. Was wir ihnen bietengiebt den jungen Leuten Freiheit und Mut, Vertrauen und Begeisterung, flößt ihnen Stolz aufs Judentum, wie Liebe zur Nation ein, lehrt sie die Aufgabenbeider als Einheit erfassen. Sie dazu immer wieder aufzufordern, wird wohl kein innerlich ergriffener, an Judentum und Deutschtum gereifter Mensch, geschweige ein Jugendbildner versäumen. Denn das ist gewiß: nicht sowohl gemeinsame Erinnerungen und Leiden, gleiche Schicksale oder Hoffnungen schmieden die Menschen am besten zusammen; zusammenschließen sie sich wirklich im Geiste mit Aufgabe ihrer Sonderinteressen, mit Einsetzung ihrer besten Kräfte, wenn man sie aufruft zu gemeinsamer Last und gemeinsamer Arbeit. Der Redner verdichtete seine mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen zu folgenden Anträgen, deren Annahme einstimmig zum Beschluß erhoben wird: 1. Der Verband jüdischer Literaturvereine legt den Vereinen nahe, ihre Tätigkeit in der Richtung der Fortbildung junger Leute (Damen und Herren) durch besondere Veranstaltungen (Fortbildungskurse) auszudehnen. 2. Diese Kurse sollen die gesamte jüdische Geschichte und Literatur sowie Religionsentwickelung nach abgeschlossenen Zeitepochen bezw. unter sonstigen Gesichtspunkten umfassen und in fortlaufenden Vorträgen, Referaten u. s. w. behandeln. Sie sollen vornehmlich der Erweiterung und Vertiefung jüdischen Wissens dienen, können aber ihre Ergänzung zugleich in der Pflege jüdischen Geisteslebens und allgemeiner Bildung, überhaupt durch-Behänd-