Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1903)
- Article
- Verbandstage der Literaturvereine
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 wohnen, ihre Stellung zu schwebenden Fragen beeinflussen, besonders aber sie mit neuem Rüstzeug gegen Angriffe ausstatten. Wir treiben damit neueste Geschichte, wir führen sie ins wirkliche jüdische Leben ein. Es ist oft getadelt worden, daß die Vorträge im Hauptverein sich zuviel mit der Vergangenheit befassen und der Gegenwart zu wenig gerecht werden. Auch wir glauben, die Beziehung zu dieser braucht nicht zu fehlen; eine regelmäßige Zeitungsschau, eine kurze Tagesrevue würde dem Mangel auch im Hauptvereine abhelfen. — Endlich soll den jungen Leuten eine gehobene, künstlerisch angeregte Unterhaltung geboten werden. Man wende nicht ein, das sei nicht Sache der Literaturvereine; das können sich die jungen Leute anderwärts, etwa in kaufmännischen Ressourcen u. s. w. selber verschaffen. Denn was wir ihnen bieten, ist doch etwas anderes. Wir werden uns bei der Auswahl der Stoffe, der Dichter und Schriftsteller, sowie der Künstler von andern Gesichtspunkten leiten lassen. Wir wollen unsere Hörer ja in die wichtigen Zusammenhänge zwischen jüdischem und nationalem Geistesleben einführen, ihnen nicht die Möglichkeit allein, nein, die wohltätigen Wirkungen der Verschmelzung jüdischer mit allgemeiner Kultur an immer neuen, erhabenden Beispielen erweisen. So werden wir sie mit Dichtern wie Mich. Beer, Heinr. Heine, Mor. Hartmann, Karl Beck, Sal. Mosenthal, und wiederum mit L. A. Frankl, Berth. Auerbach, Leop. Kompert, A. Bernstein, K. E. Franzos, mit I. Zangwill und M. Rosenfeld, mit Loewenberg und Jakubowski bekannt machen, ohne unfern Shakespeare und Lessing, Goethe und Schiller zu vernachlässigen. Selbst in musikalischen Darbietungen — wieviel Anknüpfungspunkte finden sich, sei es an die Person des Komponisten oder sein Stoffgebiet, ebenso in bildender Kunst, wo wir seit Neuestem zusammenfassende Darstellungen vom Lebenswerk eines Jos. Israels, Lesser Ury, Licbermann, Lilien, Epstein, Solomon besitzen! Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß wir dabei keine Engherzigkeit aufkommen lassen. Dagegen sei ausdrücklich hervorgehoben, daß wir am Schluß der Abende geflissentlich die leichte Kost, den gesunden Humor (was ist jüdisches Geistesleben ohne den Humor?) und die harmlose Fröhlichkeit zu ihrem Rechte kommen lassen wollen. Daran könnte doch nur ein unverbesserlicher Menschenfeind etwas zu tadeln finden. Wir hätten uns endlich über die Frage der äußeren Organisation auszusprechen. Wie wäre zu allererst vorzugehen, um die Kurse ins Leben zu rufen? Voraussetzung ist, daß der Hauptverein hierbei die Führung übernimmt, den oder die Redner bestellt (Rabbiner, Lehrer oder sonst geeignete, wohlunterrichtete und opferfreudige Persönlichkeiten mit vollem Verständnis und Inter-