Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1903)
- Article
- Verbandstage der Literaturvereine
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Wie sollen nun die Kurse aussehen? Wir denken weniger an eine Fortbildung im Hebräischen, weil dies sowohl Begabung als Fleiß erfordert, kurz, die Hemmnisse im Gegenstände selbst liegen. Sondern wir meinen fortlaufende Referate, zunächst über abgeschlossene Epochen der jüdischen Geschichte, alsdann solche über Literaturperioden oder -gattungen, endlich über Religion und Ethik (Wesen des Judentums). Statt weiterer Vorschläge mögen einige Notizen aus unfern bereits abgeschlossenen Vortragscyklen das Gesagte erläutern. So teilten wir die gesamte jüdische Geschichte mit Uebergehung alles einigermaßen Entbehrlichen folgendermaßen ein: I. Von den Anfängen bis zum babylonischen Exil. II. Die Epoche des zweiten Tempels. III. Das Zeitalter des Talmud. IV. Die Juden in Westeuropa bis auf die Neuzeit. Die einzelnen Referate zu III lauteten: 1. R. Jochanan als Wiederhersteller des Judentums. 2. Akiba und Bar Kochba. 3. Jehuda der Fürst und die Mischna. 4. Politisches und geistiges Leben der Juden in Babylonien. 5. Der Talmud als Ganzes. 6. Judentum und Islam. 7. Vom Orient zum Occident. — Diejenigen zu IV waren: 1. Jüdisch-spanische Staatsmänner. 2. Jüdisch-spanische Dichter. 3. Jüdisch-spanische Denker. 4. Die Juden in Deutschland I. 5. Dasselbe II. 6. Auf der Wanderschaft. 7. Moses Mendelssohn und sein Einfluß auf die Gegenwart. — Sind nun solche, meist drewiertelstündigen Vorträge gehalten, dann soll auch das eigentliche Lernen für den Abend beendet sein. Denn Abende haben wir leider, um dies Vorwegzunehmen, für die Kurse nur zur Verfügung. Zu denken wäre auch an die sonntägliche Ruhezeit am Vormittag und ganz gewiß auch an die Sonntag-Nachmittage. Aber der Versuch, diese Zeit für uns zu gewinnen, mißlang; seiner Wiederholung, wo nicht etwa eigene, reich ausgestattete Vereinsräume zur Verfügung stehen, ist zu widerraten, weil die jungen Leute diese ihre einzige freie Zeit ganz für sich haben wollen! Aber eine volle weitere Abendstunde auch an einem Wochentag ist nicht zu verachten; und für sie haben wir noch folgendes Programm in Bereitschaft: Fragebeantwortung, Zeitungsschau, gehobene Geselligkeit (Unterhaltung). Wir wollen Fragen beantworten — aber keine Diskussion über das Gehörte eröffnen, d. h. wir wollen Gelegenheit zu freier Aussprache geben, aber doch so, daß der Vortragende vor allem um Rat und Aufklärung angegangen, nicht durch unfruchtbare Debatten ermüdet wird. Wir stellen dagegen Tagesfragen, wie sie jüdische Zeitungen anregen, absichtlich zur Debatte, und hören da gern die verschiedenen Ansichten. Bei der heutigen Entwicklung der jüdischen Journalistik kann man so die jungen Leute schon an die ständige Lektüre einer jüdischen Zeitung ge-