Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Journal
- Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für Jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1903)
- Article
- Verbandstage der Literaturvereine
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2378030-2378041-2378042-2378489--0454-2378510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 Nicht in gleichem Maße, wie die Geschichte, ist seither die jüdische Literatur in den Vorträgen behandelt worden. Die Erschließung dieses großen, die verschiedensten Zeiten, Sprachen und Geistesrichtungen umfassenden Schrifttums ist als eine weitere Aufgabe für die Zukunft zu bezeichnen. Köstliche Schätze sind in ihm enthalten, von denen wir lernen, an denen wir uns erheben, unser Gemüt aufrichten, an deren Schilderungen wir uns erfreuen können und die uns mit Stolz auf die geistige Regsamkeit und das ernste Streben unserer Vorfahren erfüllen müssen, die uns zeigen, wie frisch ihr Herz, wie warm ihr Gemüt, wie teilnahmsvoll für die Vorgänge um sie her sie auch in Zeiten des Unglückes und schweren Druckes geblieben sind. Möge es uns vergönnt sein, die düsteren und leidvollen Geschichtsbilder immer mehr zurücktreten zu lassen und dafür zu zeigen, was an Großem, Schönem, Hellem im Judentum entstanden ist. Und mögen aus der Beschäftigung mit der Vergangenheit liebevolle Teilnahme für die Gegenwart des Judentums und neue schöpferische Kräfte zur Weiterarbeit wie zur Mehrung und Stärkung seiner Geistesgüter sich entwickeln. Von den drei Säulen, auf welchen nach den Worten eines alten Weisen die religiöse und die sittliche Welt ruht, haben Sie insbesondere der ersten, der Lehre, Ihre Pflege zugewandt. Ihre Wirksamkeit tritt auch der zweiten, dem Gottesdienste, stützend und fördernd zur Seite. Und nun wollen Sie auch der dritten, der liebevollen Vereinigung zur gegenseitigen Stärkung und zur Hilfe für Schwache, Ihre Kräfte widmen. Durch die Verbindung der einzelnen Vereine untereinander wollen Sie für die Veranstaltung von Vorträgen eine wirksame Organisation schaffen, sie auch den kleineren Gemeinden zugänglich machen, für die Verbreitung guter, belehrender Schriften in den weitesten Kreisen des Volkes sorgen. Das sind große und edle Ziele. Ihnen gelten Ihre Beratungen. Mögen sie uns deren Erreichung näher führen, mögen Ihre Verhandlungen gute Früchte zeitigen, das Werk der Belehrung fördern, in immer weitere Kreise tragen, die Herzen der Jugend für die Lehren der Vergangenheit erschließen und sie zur freudigen Arbeit für die Zukunft gewinnen. Möge Gottes Segen Ihren Werken und Ihren Unternehmungen zu teil werden! An die Konstituierung des Bureaus — es wurden gewählt als erster Vorsitzender Justizrat Basch-Berlin, als dessen Stellvertreter Rabbiner Dr. Eschelbacher, als Schriftführer Rabbiner Dr. Freund-Ostrowo und ferner die Herren Hähnlein-Bochum und Fränkel-Hirschberg — schließt sich der von Herrn Willibald Loewenthal-Berlin gegebene Bericht der Revisionskommission, nach dessen Erstattung dem Schatzmeister Herrn Oskar