Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 45 (7.11.1843)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1843-11-07
- Page
- Spalte 707-708 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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707 Robmson's Palästina. 708 der erste Band 1) ein chronologisches Verznchniß der Quellen für die Geographie von Palästina, 2) ein ausführliches Memoir zu den das Werk begleitenden Karten, von dem Verfasser derselben, Hrn. Kiepert, worin über die Bearbeitung der Karten Rechenschaft gegeben wird, 3) einen Theil der Reise über Kairo, den Sinai, 'Akabah nach Jerusalem, mit einem ausführlichen Inhaltsverzeichnisse. Der zweite Band enthält 1) eine ausführliche Beschreibung über Jerusalem, seine Topographie und Geschichte; 2) die von Jerusalem aus gemachten Ausflüge innerhalb des Gebiets von Judäa, nach Bet-El, 'En-Gedi, Jericho, Eteutheropolis, Gaza, Hebron. Der dritte Band enthält 1) die Reise von Hebron nach Petra und zurück, 2) die Reise von Jerusalem nach Nazaret und zum See Liberias und von da nach Tyrus und Beirut. Diesem Letzten Bande sind auch mehre Anhänge angefügt,, nämlich 1) eine Abhandlung über die Aussprüche des Vulgär-Arabischen und die Namens-Verzeichnisse von Smith und 2) mehre Register und Nachträge. Im Ganzen ist diese dreibändige Reisebeschreibung ein Werk für das gelehrte Publikum, wie in diesem Fache seit Adrian Re lan d keins erschienen; es ist ein Werk, mit welchem in der biblischen Geographie eine neue Epoche beginnt. Wir haben in der Neuzeit wohl im Einzelnen schöne Arbeiten erhalten; die Sammel-Arbeiten Ro se nmü ller's, die Beiträge Wirt ers im Rcalwörterbuch, das Handbuch von Raumer und v. Ritters geistreiche Arbeit über Palästina (in der ersten Ausgabe der Erdkunde), sind gewiß dankenswerthe Gaben, zu welchen ich noch das Erez Ke du mim von Kaplan rechnen möchte; aber noch ist keines von solchem Umfange und von solcher Gründlichkeit erschienen, als dieses hier an gezeigte Werk. Man erwartete schon seit lange mit Sehnsucht, daß ein Gelehrter für die Erforschung der bibLischen Geographie das thun würde, was S e e tz e n und B ur ckh a r d t für die Grenzgegenden des heiligen Landes gethan, aber diese Ausführung war Hrn. Robinson beschieden. — Was die Karten von Hrn. Kiepert anlangen, so sind sie folgende: 1) eine große Karte des peträischen Arabiens, mit mehren Zugaben; die östliche Hälfte von Unteregypten bis Sues; Plan von Petra nach Laborde; Paß von 'Akabah; 2) eine Specialkarte des Sinai; 3) u. 4) die südliche und nördliche Hälfte von Palästina, mit Einschluß des Libanon; 5) ein Plan von Jerusalem und eine Specialkarte der Umgebungen der Stadt. Ueberall werden die jetzigen arabischen Namen und daneben mit anderer Schrift die alten angegeben, und in den von Robinson besuchten Landestheilen ist die Zeichnung ganz nach seinen Resultaten. Wenn man diese Karten von Kiepert mit denen von Berghaus vergleicht, die doch bis jetzt als die beste gegolten, so wird man erst inne, mit welcher Mangelhaftigkeit wir jetzt zu kämpfen hatten. Außerdem ist von Hrn. Kiepert eine Karte unter dem Namen: „Karte von Palästina, nach den neuesten Quellen, vorzüglich nach den Robinson'schen Untersuchungen bearbeitet und gezeichnet von H. Kiepert. Herausgaben von Prof. Dr. Ritter. Berlin, 1842. Verlag von Sim. Schropp" erschienen, die für den praktischen Gebrauch sogar noch mehr zu empfehlen ist. So. viel im Allgemeinen über dieses große Werk; nun aber möchte ich noch einige Worte der Anregung für den jüdischen Leser dieses Literaturblattes hinzufügen. > Es ist hohe Zeit, daß auch jüdische Gelehrte diese Studien über biblische Geographie gründlich aufnehmen und aus den reichen Schätzen der jüdischen Literatur bereichern und aufhellen. Der jerusalemische und babylonische Talmud, die große Kette der Midraschim, die Tosi'fta und Mechilta, ja zum Theil der Sohar, enthalten eine solche Masse von geographischen Notizen, daß ich die feste Ueberzeugung habe, daß durch eine fleißige und kritische Lese aus ihnen dieses Studium eine historische Basis erhalten würde. Die Mittheilungen in diesen Schriften sind durch ihre lebendige Unmittelbarkeit so überzeugend, so wahr und treffend, daß im Ganzen sogar die Kritik wenig zu thun haben würde. Und nicht blos die Geographie des heiligen Landes, sondern auch die von Egypten, Syrien, Irak, Persien u. s. w. würden durch eine solche Zusammenstellung viele Aufhellung erfahren. Aus der ganzen Periode vor den Kreuzzügen haben wir über die^Geographie des heiligen Landes Nichts, als was das dürre und unkritische Onomastikon des Eusebius und Hieronymus und das jerusalemer Itinerar darbietet, und wie getrübt erscheinen diese durch Unwissenheit und durch religiöse Vorurteile! Wie armselig gegen die reiche Ausbeute aus den jüdischen Schriften dieser Epoche? Es sind die reichsten Schätze, wozu nur der kundige Schatzgräber fehlt. Salomon Löwisohn in seinem Mechkare Erez und sein Umarbeiter I. Kaplan haben nur diese Quellen unwissenschaftlich und unkritisch benutzt, und doch haben sie so manches Treffliche für die biblische Geographie geleistet. Und wie überhaupt diese Quelle auszubeuten wäre, hat Rapaport in seiner Einleitung zu Schalom Kohen's Kore Ha-Dorot, wo die Artikel ]h£, rfiä erklärt worden, gelehrt erwiesen. Schon ein einfaches Onomastikon in alfabetischer Ordnung, worin-sämmtliche geographische Namen, sie mögen Palästina oder andere asiatische Plätze betreffen, zusammengestellt würden, die in den Tälmuden und Midraschim Vorkommen, mit genauen Nachweisungen der Pagina's, wäre den Forschern schon erwünscht und ich brauche wohl kaum zu erwähnen, daß eine Konkordanz solcher Stellen noch besser wäre. Denn es ist nun einmal nothwendig, daß der historischen Verarbeitung die materielle Arbeit vorangehe. Für die jüdische geographische Kenntniß des Mittelalters hat Hr. Zunz in der Bearbeitung des geographischen Theiles in der Asher'schen Ausgabe des Benjamin Treffliches geleistet und die Anerkennung der christlichen Gelehrten - Welt erzwungen. Von den jüdischen Kompendienmachern in der neuern Zeit ist aber Nichts geschehen, nicht einmal die Berücksichtigung der schon vorhandenen Arbeiten. Für den zweiten Theil der bibl. Concordanz, worin die geographischen Namen ein Haupttheil bilden, hat Res. schon längst Alles das aus dem babylonischen Talmud zusammengestellt, was zur Erläuterung der in der