Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1843)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1843-11-07
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
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354 Bearbeitung der mannigfaltigsten Stoffe gegeben. Von ihm nun rührt auch der Text der Kantate her, die von einem hiesigen jungen jüdischen Komponisten und Musiklehrer, Hm. Co belli, in Musik gesetzt, dm Vorabend der Jubelfeier des Tempels verherrlichte. Wenig spater als eine Stunde nachdem Ausgange des Laubhüttenfestes, am 17- Oktbr. Abends 7 Uhr, sah der Tempel eine festliche Versammlung in seinen Mauern vereinigt. Nach dery gewöhnlichen Abendgebet bestieg Sperr Sc Frankfurter, eben erst von einer Unpäßlichkeit hergestellt, aber mit gewohnter Lebendigkeit und einer allen Predigern in Israel zu wünschenden Begeisterung für die heilige Lehren unsrer Vater, die Kanzel mitten unter feierlich gestimmten Zuhörern und Zuhörerinnen, in dem glansend erleuchteten und mit Kränzen geschmückten Raume. Außer Stande, Ihnen den ganzen Zusammenhang oder auch das hervorragendste Detail dieses mit allgemeinem Beifalle vernommenen Vortrages mirzutheilen, freue ich mich doppelt, Ihnen verkündigen zu können, daß vielleicht ehe diese Zeilen ihren Rückweg hierher gedruckt antreten, jene Rede sowie die am Vormittage des 18. von H. Dr. Salomon gehaltene in Ihren Händen sein werden. Doch kann ich nicht umhin zu bemerken, daß H. Dr. N. Frankfurter vorzüglich die begünstigenden Umstande, die den neuen Tempelverein entstehen und gedeihen ließen, und nachstdem die Verdienste seines Vorgängers 5?. Dr,Kley u. seines Kollegen, des 5). Dr. Salomon, in würdigem Tone hervorhob. Und auch er selbst, obwohl erst vor wenigem.Jahren nach Hamburg berufen, hat, — die einhellige Stimme der Gemeinde ist uns deß Zeuge — schon einen wesentlichen Antheil an der jetzigen Bedeutung des Instituts, indem er die Gemüther mächtig zum Fortschreiten auf der bereits vor 25 Jahren betretenen Bahn, anfeuerte. Ich betrachte es, da es doch einmal dem Tempelvereine nicht vergönnt war, an dem Jubelsesttage seine b ub en. ersten Prediger neben einander in Funktion zu seben, für einen, unschätzbaren Gewinn,. daß seine Wahl gerade auf einen Süddeutschen gefallen war, der die neue Bildung der Zeit oder richtiger die Bildung der neuen Zeit mit den ernsten Bestrebungen,. die vom Norden ausgegangen waren, wiederum vermählte, und mit der an. den Ufern der Nordsee großgewocdenen Spekulation die im Flußgebiete der Donau durchanderartige und doch ähnliche Geisteskämpfe eroberte, m Verbindung brachte. Ein tiefes Gemüth, ein schwungvoller, wohlrönender Ausdruck und vor Allem ein hoher, sittlicher Ernst giebt allen Reden des H. Dr. Frankfurter ein Gepräge, das ihm die Herzen gewinnt. An diesen rhetorischen Theil schloß sich der oben bereits erwähnte poetisch-musikalische an. In der Dichtung des Herrn Haarbleicher finden sich viele in Form und Inhalt vollendeb zu nennende Stellen; der Grund? gedanke ist ein. höchst poetischer, zu dieser Feier besonders paffender-. Es war des Dichters Aufgabe, darauf hinzuweisen, daß Gesang, Musik und die Laute der deutschen Muttersprache por 25 Jahren in den Gotteshäusern Israels Fremdlinge gewesen, und erst die Stiftung ' Tempelvereins diesen beredten Zeugen der Empfindung^ der menschlichen Seele bei Männern, Frauen und bei Kindern beider Geschlechter Eingang in die Pforten der Andachtsstätten verschafft habe. Die bei der Aufführung der Kantate beschäftigten Sänger, der sie mit den Tönen der Orgel begleitende Organist und Herr Cobelli als Komponist verkündigten so zugleich das Lob des Tempels und das der Künste, denen sie sich selbst geweihet hatten. — Es war gegen 10 Uhr als die Gesellschaft sich trennte. Alle Anwesende (unter ihnen befanden sich auch mehre Vorsteher der Gemeinde) nahmen ohne Unterschied der Konfession, des Alters und des Geschlechts einen wohlthuenden Eindruck von dieser Feier mit sich. Am Vormittage des 18. Oktbr. fand die alljahnge Feier des Erinnerungstages der Leipziger Völkerschlacht und des Sciftungslages des Tempelvereines statt, nur daß diesmal zugleich dieser und sein gefeierter Prediger Herr Dr. Salomon ihr 25jähriges Jubiläum begingen. Dadurch gewann diesmal der achtzehnte Oktober eine besondere Bedeutung, und das Publikum harrte schon während der einleitenden Gesänge mit Spannung auf die ersten Worte des Jubilars, dem die Festrede zugesallen war. Endlich trat Hr. Dr. Salomon auf, stark im Bewußtsein treuerfüllter Pflicht in 25 wechselvollen Mannesjahren. Er predigte über den Text: Ich sterbe nicht, ich lebe und ich werde die Thaten meines Gottes verkünden. Sollte es ein bloser Zufall sein, daß dem Referenten bei der ersten Erwähnung dieser Textesworte die Erinnerung, an die Zahl 18, die Lebenszahl, als bedeutungsvoll für den Tempelverein, sich aufdrangte. Am 18. des Oktobermonats des achtzehnten Jahres in unserem Jahrhunderte gegründet, ist ihm allerdings ein langes Leben beschieden, wenn er mitten in den verwirrenden Kämpfen des Judenthums, äußeren wie inneren, für Licht und Recht zu kämpfen nicht 'ermüdet. Der Redner gedachte der mächtigen Hindernisse, mit denen der Tempelverein bei seiner Entstehung zu kämpfen gehabt., der. vor. 25 Jahren allgemein herrschenden Gleichgültigkeit für allen und jeden Gottesdienst, nicht blos für eine reinere Form desselben; ec deutete auch auf die beiden Feinde, hin, die ihm wahrend seines bisherigen Daseins entgegen getreten waren-,, den Aberglauben und den Unglauben; er erinnerte endlich am die trefflichen Mitglieder, die den Verein nicht mehr als fünfundzwan? zigjahrigen Bund begrüßen könnten; aber er vergaß, auch nicht des Segens zu gedenken, den ihm der Himmel durch treue Lehrer und würdige Mitglieder verliehen. Mit beredten Worten hob er hervor, wie das von dem Tempel ausstrahlende Licht sich in die entferntesten Regionen unseres Vaterlandes, unseres Erdtheils, ja über den atlantischen Ocean hierüber verbreitet habe. Und an