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Der Orient · 1843-10-31 · 44 (31.10.1843) · p. Spalte 693-694

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
44 (31.10.1843)
Article
Missions-Wesen und Unwesen
Date
1843-10-31
Page
Spalte 693-694 (sequence 3)
Language
German
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693 Judä'er und Galiläer. 694 I. Wir finden also in frühester Zeit in Palästina zwei verschiedene Lebensweisen, die eigenthümlich jüdische Judäas, und die mehr ausländische des „heidnischen" Galiläas 4), besonders aber zwei verschiedene Richtungen im Auffassen des Judentums : die rein praktische der Bewohner Judäas, die im Tempel hinlänglich Nahrung fand, und die mehr contemplative, nur aus sich selbst schöpfende, des Unterrichtes zumeist entbehrende, der Galiläer. Erstere hatte die Halacha, als natürliche Ausbildung und Erweiterung der Religion im Fortbestehen zur Folgeletztere aber brachte die Windeier der Hagada^) zur Welt. 4) Aus letzterer ist auch der scheinbare Widerspruch im Talmud, sowohl Chagiga 25 a, wie Sabbat 47 a erklärbar, der Raschi und die Tosafot zu entgegengesetzten Annahmen zwingt. Raschi behauptet nämlich, die Galiläer .wären arm, die Tosesot aber, sie wären reich gewesen. 5) Da diese Behauptung gewiß von verschiedenen Seiten Angriffe erleiden wird, erlaube ich mir vorläufig, so weit es der Raum einer Anmerkung nur irgend gestattet— später dürfte es ausführlicher in einem Aufsatze: „über die verschiedenen Schulen und Richtungen im Talmud" geschehen — solche zu belegen. Wir müssen uns zuvor das Wesen der Halacha wie der Agada oder Hagada (schon die schwankende Benennung der letzten: kann als Mitbeweis ihres galiläischen Ursprungs dienen, da dies nur bei Galiläern, die die Kehlbuchstaben ynntt alle zusammen wie j* aussprachen, Vorkommen konnte) deutlich zu machen suchen. Der Wortbedeutung nach heißt niA.n, t)on der Rad. -^.-i gehen, die durch Zeit und Umstände nothwendig gewordene Fortschreitnng, zu dem im Gesetze' begründetem Resultate. So kommentirt Raschi Sota 40 b. Nnnyotsa tsrn durch nnnu mow ]\n nobn > ebenso R. Ascher Nedarim 35 d Mischna vpdD nD^>n, — so erklärt auch der Tischbi pjy.ttin : riD^H rnp bvn, bw nunn pt, rrn «no ebenso Wessely im Gan na'ul, und im Kommentar zu den Sp. der Väter, 3,25. robm mina 2m nt pjy by) : robn ■pTa mn D^-rn nm b22 lusb tw sya note, pn )nu Tom wn#, na 'nt nsnrw -pn “jb> nnb min unJD.to D^Nnpj nt “pn by) jna mb niaisn nnN.n jnn pomn jnw no^n m&aiircn mmpn, , -tira nt^ypn pa paw npfrno by pv — nnNn n pan pnn note, ui!?dd robn nvth, also, die im praktisch religiösen Leben nothwendig sich ergebenden Fortschritte, im Geiste und nach Anleitung der Tradition zum Resultate geführt, wo rp!?n daher fast immer mit ^^---wiederholen, vorkommt. — Agada aber ist nur ein lose Zusammengezoaenes, oder Anziehendes, Verlockendes. S. Chagiga 14 a. ptmP «TUN 6ya ]bi*, Ü'D jyiPD b2 nun dpö'i dwti, mwo ]wb , .tun Toa din.i 2b moy^/ ono^nn 2b nx ona ptpm 'zb p 1snpn HW iniN pNmp, Tischbi — ähnlich auch: de Rosst im Meor Enajim C. 15 im Namen des nrUNH? nnupn by2 r>in, p^n -w pwn nann 'sa, jmhap nan nmn ynan wo b$ pin up nnb m ymb DpIDDn by ni^PQnw D'pan. R. Ascher zu Nedarim 35 b. scheint es von Stütze abzuleiten; übersetzt das Targmn und selbst der Sohar will die Agada so Um diese scheinbare Hypothese zu erweisen, ist es zuvor nöthig einen Blick auf das religiöse Leber; der Galiläer und wenig als Wesentliches angeben, daß er sie gerade zu mit Räthsel erklärt. S. Mischpatim. rnpn, TUN. Daher ist auch die tiefe Abneigung der früheren Talmudisten, namentlich im Talm. jerus., gegen die Agada zu erklären. Abgesehen von dem allgemein für gültig angenommenen Brauch nrUN nanö pnrö j*ni pawo pN, heißt es im Talm. jer. Ma'aser scheni K. 3. n^y? ^DDpn nDD pnP mar Nrmvn — ebenso Sabbat K. 16. n^nnnt sn'V? pbn )b "pN nanran ntun ann b'an "idn ^nno u. m. So lange der Tempel stand, war in Judäa an Agada nicht zu denken, die jedoch schon im Galiläa ganz im Stillen üppig wucherte. Nach Zerstörung des Tempels jedoch, wo auch für Judäa die rein praktische Richtung sich immer mehr verlor, wo auch politische Drangsale die Bewohner Judäas inniger mit Galiläa verband, stürzte, wiewohl niche ohne lange Gegenwehr, der alle Dämme durchbrechende unlautere agadische Fluß aus Galiläa hernieder, und trübte auch den reinen halachischen Quell. Wir können noch ziemlich genauer die Zeit, zu welcher dieses geschehen, angeben. Eliüser ben Hyrkanos war der letzte reine Halachist, und unter seinen Schülern — namentlich durch R. Akiba, von dem es auch heißt: Scheßatim K. 9. no^n ty-HD fpnnty ND’py nt, D’m-i & p-riN p!? nnJIM ~ gewann die Agada, von R. Jose. ha-Galili eingeführt, Macht und Ansehen. Der Wichtigkeit wegen gebe ich die betreffende Stelle wörtlich übersetzt: Chagiga 14 a. „Zwei Throne stehen, einer für Gott, dev andere für David; so sagt R. Akiba; da sagt ihm R. Jose Ha-Galili: Akiba, wie lange noch willst du die Herrlichkeit Gottes profaniren? Der eine ist für das strenge Recht, der andere für die Gnade! Hat R. Akiba diese Belehrung angenommen? wohl! R. Akiba sagt: der eine ist für das strenge Recht, der andere für die Gnade. Da sagte R. El. ben Asarja*): Akiba, was machst du bei der Agada? spare deine Worte bis zu Negaim we-Ahalotz" — dies ist nämlich ein wichtiges halachisches und in der Bibel begründetes Studium. Die Gesammt-Abhandlungen darüber, bekannt unter dem Namen mnnp V1D, sind unbedingt lange vor dem Mischna-Nedakteur R. Jehuda Ha-Nassi beendigt worden, und ist es schon vielfach bemerkt, daß N. Jose den Anfang und Schluß von Kelim stütze daselbst — genau anzugeben gewußt. Für R. E. b. Hyrk, der sich nie andre Aussprüche erlaubte, als die, welche er von seinen Lehrern herleiten konnte (so Joma 66 d, mit geringen Abweichungen ebenso im jerus. K. 6. yasy ate im ~idn nIw sbs, (ih) ">nty ifi tbiyh Ol ’DD, — cd.r Berachot 27 b. Hl — bttiw'v p^npnttr ruw nny 13113 yow N^ty i3n, oder Sukka 27 b, 28 a. ^^33 N3VV Ity^ 'Z1^ vVpjsf uw — ,1'131 b i1? ncN -- miPNEtt -- jri>yn ’dd ipyoty nbw im iah ijnppin ion? nyiptyn 190 — obiya inm ’sp ’nypty «bty im ’niON nH ’nm) mußte die Agada, wie üdexhaupt die ganze gaHläische Richtung viel Abstoßendes haben, und daef man hierbei nur die Gedankensprüng? der Galstäer, mit R. E. b. H. regelrechtem ') unbedingt ein Fehler, und muß heißen: R. El. ben Hyrkanos, n?ie ans dem Verfolge unumstößlich zu ersehen sein wird. 44

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