Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-10-31 · 44 (31.10.1843) · p. Spalte 691-692

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
44 (31.10.1843)
Article
Missions-Wesen und Unwesen
Date
1843-10-31
Page
Spalte 691-692 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897774-9897941-2370805--3216-2370834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

691 Grenzen von Galiläa. 692 Schon sehr früh läßt sich eine bedeutende Vetschiedelchcit in Ausfassung des Glaubens überhaupt/ wie auch bei Beobachtung mancherlei Gebräuche zwischen den Bewohnern Judäas und Galiläas wahrnehmen, die darin, daß der Tempel in Judäa siand, und die Priester die gesetzlichen Lraditionslehren nur daselbst lehrten, die Galiläer aber nur auf sich angewiesen waren, eine Erklärung findet^ Nedarim 18 b Mischna — rin .d j.N.ty - roc^n norm ns* poo W>j ’imn pw D^rD»T 'Din, wie sowohl Raschi, Rosch, Ran und die Tosefot erklären: Baba batra 25 b. nttfycw , CPVP DOn^ Hönn, der in der Kabbala hohes Ansehen hat, als Bezeichnung des galiläischen Landes nehmen zu dürfen, das im Norden viel Meichtbunibesonders Oelbau — dieses wird auch im Aruch .so, aufgefaßt — in Süden aber die orn ’oon hatte. Damit war aber nicht in Uebereinstinunung zu bringen, Sanhedrin. bi b. nK‘nm nNpy mb'b.) wriNb \vnn Nn:m jrt comp Dnii W?ji n'dhi NoriN1? . n . n? p HO1? DODpi. Aus diesem Schreiben glaube ich mit Wahrscheinlichkeit zu entnehmen, daß solche — angeblich by non -)»"D rbyü ZU — nicht ron Jerusalem aus geschrieben wurden, denn von da war das sogenannte Drn jedenfalls nordwärts, und konnte nur von Galiläa aus so bezeichnet werden. Vielleicht war es doch, daß die einmal gegebene Bezeichnung überall galt, Die Unmöglichkeit, aus dem Talmud bab., der überhaupt, die Mischna und wo es sich um ein Gesetz handelt abgerechnet, bei geographischen oder historischen Fragen, schon wegen der Entfernung der späteren Lalmudisten vom eigentlichen Schauplatz oft selbst in Ungewißheit ist — Aufklärung zu erlangen, einsehend, wendete ich mich dann zum Talmud jerus. .Hier glaube ich nun so viel gefunden zu haben, daß unter orn der Flecken -p —- oder Lydda, den schon Jes. Ant. XX, V. seiner Größe wegen mit einer Stadt verglichen gemeint, oder mindestens ny? in bfn gelegen sei. So heißt es Talm. jer. Pesachim Abschn. 5, xbw b\ »tun* jD^'N ba jftfp o nzu nün '1 rnin *b?j/D? nn o jn&y ■özd1? noft. Der Talm. bab. Pest 62 b, erzählt dasselbe, nur mit einigen geringen Abweichungen. Z. B. R. Jochanan für Jonatan, — was darin seinen Grund hat, weil Beide zusammen, wahrscheinlich von Galiläa, als Richter oder Schiedsmänner nach dOI kamen. — Talm. jer. Berachot Abschn. 9. ttQNli tt^"ip s'^'tt2 üöbw “ayti?' ]rüii Pi prm — pDni’ fttzt -p geradezu für am. Dieses ist jedoch schon aus viel späterer Zeit, wo Galiläa seine usurpirte geistige Oberherrschaft mit vielem Uebermuth behauptete. Früher war es anders. So heißt es Talm. jer. Taanit Absch. 3. — pTpmb ’Nom. — Die Lage von läßt sich ziemlich genau angeben. Talm. bab. Ma'aser schein Absch. 5, M. 2 ist zu ersehen, daß -p^ westwärts von Jerusalem, eine Tagreise fern lag. 'vj p-D ]D if? — riDinn mw; tin dp “bno D'bvmb rftijj mybri ebenso Beza 5 a und Rosch Ha-Schana 31 d. In -pV wohnte auch R. Elieser ben Hyrkanos, Sukka 27 b, Sanhedrin 32 b — er scheint sich dahin, nachdem er mit den Gelehrten in Jamnia rjJZP in Uneinigkeit gerathen — Baba mezia 59 b, zurückgezogen zu haben. Daselbst war auch, nach Sanhedrin 74 a, eine hohe Schule, und hat auch das Testament A. G. 9, 32. „die Heiligen in Lydda", was unmöglich von Christen verstanden werden kann: da die Einwohner Lyddä's sich erst später, 35. nach Petrus Wunder, bekehrten. X. beim erste» Satze: VW ’ö!?, beim zweiten Satze: P thw. Hierzu kam noch, daß Samaritaniens Bewohner, die man anfänglich für völlig bekehrte Juden hielt, später der Abgötterei augeklagt und überwiesen — ob mit oder ohne Grund gehört nicht hierher — in jeder Beziehung, als für Götzendiener erklärt wurden, der religiöse Verkehr zwischen Judäa und Galiläa noch mehr erschwerten. S. Chagiga 25 a: das Landvolk in Judäa ist beglaubt auf die Reinheit des Oels und Weins, das von Galiläü aber nicht. Letztere mußten nämlich, um auf dem geraden Weg nach Jerusalem zu kommen, durch einen Streifen Landes, der von Kutim — Samaritanern — bewohnt war, und daher unrein war (siehe auch Jos. Ant. XX, 6, 1). Doch ist hierbei keine Spur von Abneigung oder gar Haß gegen Galiläa, — man dürste etwa das aus Galiläa herrührende Christenthum damit in Beziehung bringen wollen-—- denn erstens sind die Meisten von mir citirten Mischna's, —Gemara citire ich nur selten und mit großer Vorsicht, Midraschim aber fast gar nicht — wie selbst eine oberflächliche Prüfung schon darthun muß, zunächst aus vorchristlicher Zeit, und zweitens ist ja immer der Grund der Unterscheidung keineswegs auf eine für Galil. schimpfliche Weise angegeben. — Wie frühe diese Achtserklärung der Samaritaner geschehen, läßt sich nicht genau mehr bestimmen; vielleicht ist Sabbat J5 a. d'Dyn pN by hndio nn non znn ny nw 'd, hierauf zu beziehen, obgleich der Talmud einen andern Grund daselbst hat. Jedenfalls war es früher, als nach der eigentlichen Angabe des. Talmuds und noch zur Zeit des Tempels; wie aus dem 4+ Evangelium — hierbei ein ganz unparteiischer Zeuge — deutlich zu ersehen: 4, 3. 4. „Cr — Jesus verließ Jehuda und ging nach Galiläa, und mußte durch Samaria durchgehen — 9. Da sagte die samaritanische Frau zu ihm, da du ein Jude bist, wie kannst du von mir zu trinken verlangen , die ich eine samar. Frau bin? Die Juden haben nämlich keine Gemeinschaft mit den Samaritanern". Diese Feindschaft zwischen Samaritanern und Juden scheint nicht immer gleich, und bald im Steigen, bald int Abrichmen gewesen zu sein. Jesus letzte Reise nach .Jerusalem, lassen das erste und zweite Evangelium ihn auf einem bedeutenden Umweg machen; Mt. 19, 1. „2Cn die Grenzen von Judäa, jenseits des Jordans" — eben so Mark. 10, 1z Luk. läßt ihn zwar 17, 11. mitten durch Galiläa und Samaria ziehen, dabei aber — sonderbar genug! — 18, 35. über Jericho kommen, was wohl nur durch des dritten Evangeliums Lokalunkenntniß zu entschuldigen. Sollte dies nicht gerade auf eine zwischen Samaritanern und Juden ausgebrochene große Feindschaft hindeuten, wie auch Luk. 9, 53 davon berichtet, daß die Samaritaner Jesus nicht ausgenommen, weil sein Angesicht nach Jerusalem gerichtet gewesen? Wir werden ad III. dieses Aufsatzes noch daraufzurückkommon.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.