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Der Orient · 1843-10-31 · 44 (31.10.1843) · p. Spalte 695-696

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
44 (31.10.1843)
Article
Missions-Wesen und Unwesen
Date
1843-10-31
Page
Spalte 695-696 (sequence 4)
Language
German
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695 Kurze Anzeigen. Die Autonomie der Rabbinen rc. Bon Dr. Holdheim. 696 auf das Eigenthümliche ihrer Schule, so weit die spärlichen Hilfsmittel in dem uns hier gesteckten engen Kreise, ausrei- Gange vergleichen. **) Aus diesem, glaube ich, ist nun ziemlich deutlich erwiesen, wie die Agada erst durch R. I. ha- Galili allgemein bei den Juden eingeführt ward. Noch klarer wird es aus Folgendem. In der eigens so benannten Agava oder Hagada, die noch heute an den beiden Pefach-Abenden gesagt wird, tritt zuerst R. I. ha-Galili mit einer echt agadischen Spitzfindigkeit auf, und beweist, durch Verkörperlichung des Sinnes im Bibelvers, daß die Egypter am Meere 50 Plagen erlitten habenz R. E. (hier unbedingt berr Asarja) der hierauf folgt, läßt sie zu 200 anwachsen; und der ihm wieder nachfolgende R. Akibcr wieder gar zu 250. Unbedingt hat auch hierbei R. I. h. zuerst diese Aussicht eröffnet, die dann von den Anderen noch erweitert worden; siehe auch Abrabanel hierzu. Ebenso ist es wieder R. Elibser, der Sohn des R. Jose Ha-Galili, der die Agada zu einer Wissenschaft erhebt, und 32 Kategorien aufstellr, wonach sie angewendet werden kann. Diese 32 Wege — am richtigsten mit den 32 Strichen der Windrose zu vergleichen, da damit so ziemlich Alles, was man nur will in den unschuldigen Text hinein gedeutet werden kann — scheinen mit den 32 Wahnen der höhern Weisheit in der Kabbala — MN niN^D fi)OT von dem Buch Jezira — verwandt, wie es ja auch die Agada mit der Kabbala ist. Im Vorbeigehen will ich hier nur zeigen, wie das bei der Kabbalisten im höchsten Ansehen stehende ruWLN ND, und R. I. h. Ausspruch, Jebamot 20 h, Bechorot 17 a Mischna usmh "WEDN “ON rrn schon im Keime da ist. Die Agada sowohl wie die Kabbala gehen von gleichen Wurzeln, nur in verschiedenen Potenzen aus, beide sind in den finstern Höhlen Galiläas erstanden. Die wahre, reine Glaubenssonne konnte mit ihrem vollen Licht da nicht hinkommen, nur einige Strahlen drängten sich hinein, die durch die vielen Ecken gebrochen, eine zwar zauberhafte Höhlenbeleuchtung abgeben, aber statt zu erhellen, nur noch tiefer in die Abgründe, wo Ungeheuer hausen, und von wo kein Ausweg mehr, führen. Mit Siecht sagten sie daher in Judäa: Was kann aus Galiläa Gutes kommen? Weitere Beweise über das Zusammenfallen der Agada und Kabbala und ihren galiläischen Ursprung, werde ich in dem oben versprochenen Aufsatz, zum Theil aber schon in der Fortsetzung des gegenwärtigen, bei den Evangelien, geben. In spätem Zeiten verschwand nicht allein dieser Widerwillen gegen Galiläa, es wurde in jeder Beziehung Judäa gleichgestellt, aber — freilich von dankbaren Kabbala-Schülerm So **) R. E. ben Hyrk» hieß auch R. E. ha-Gadol, und war R. Gamaliels Schwager und Schüler R. Jochanan ben Sakai's. Er kommt auch mit dem Namen TnD&y vor. Nidda 7 a. v}^ nyotcf nm Md"? ,m\b kS h KM m THE&y nS — 'di ■’nyDt'/, was Naschi von Verbannung — nach der bekannten Erzählung Baba mezia 59 b, Raschbam aber und R. Tam N'O^51Q Wßü/, er war von Schamais Schülern, erklärt. Letztres erwähnt auch Raschi Sabbat 130 d. Jedenfalls müßte nach dieser Erklärung, die nirgends begründet ist — selbst R. E's. Lehrer, R. Jochanan, war von Hillels Schule — das fehlende k hinzu gedacht werden z wäre es also nicht besser, dafür ein y zu nehmen und Tiryo&y zu lesen? welche Benennung daher rührte, weil R. E. nur Gehörtes berichtete. chen, zu werfen, wo wir denn, als Prototyp dieser Schule, ihren Koryphäen: Rabbi Jose ha-Galili, so viel es angeht, besonders in den Vordergrund stellen wollen. Aber auch Stellen aus späterer Ztit, können mit einiger Vorsicht und Auswahl, für Galiläa. das seine Selbstständigkeit länger, als Judäa behaupte — benutzt werden, was ich mir hin und wieder erlaubte. (Fortsetzung folgt.) Kurze Anzeigen. 38. Die Autonomie der Rabbinen und das Prinzip der jüdischen Ehe. Ein Beitrag zur Verständigung über einige das Judenthum betreffende Zeitfragen, von Dr. Samuel Hold heim. Schwerin, 1843. 8. Kürschner'sche Buchh. Der Standpunkt des Verfassers ist der in der neuesten Zeit immer mehr zum Bewußtsein durchdringende. Wenn man den ganzen Entwickelungsgang der jüdischen Geschichte in dem zweimaligen Staatsleben genau verfolgt, so zeigt sich dem Beobachter ein charakteristischer Unterschied zwischen den beiden wichtigen Epochen der politisch-religiösen Existenz des jüdischen Volks. Vor dem ersten Exil, während welchen ganzen Zeitraums der Mosaismus in seiner einfachen gesetzgebenden Form mehr oder minder zur Erscheinung gekommen war, war der Staat und die Staatsverfassung das überwiegende und vorherrschende Element, in welchem die Religion aufgegangen und gleichsam absorbirt war. „Nach dem Exil konnten die Juden in einem fremden Staate unmöglich daran denken, ihre früheren Staatsgesetze dahin zu verpflanzen. Jedermann leuchtete es ein, daß Gott diese Staatsgesetze ursprünglich für den Gottesstaat, oder das demselben später äußerlich rcprä'sentirende Königreich Palästina gegeben. Eben so wenig dachten die jüdischen Kolonisten, nach der Rückkehr ms alte Vaterland, daselbst einen neuen Staat mit der ehemaligen Staatsverfassung zu gründen. Sie wollten und konnten sich von dem persischen Staatsverbande nicht trennen. Einen Tempel bauen, einen Opfer- Priester- und Lewitendienst wollten sie wieder in dem heiligen Lande einführen, eine Kirche, in dem damals zuerst möglich gewordenen Sinn des Wortes, gründen, die Religion in ihrer faktischen Trennung vom Staate, sollte im alten Vaterlande ihren Sitz und Thron einnehmen, und ein geistiges Band werden, welches sämmtliche Juden, was immer für eisagt R. Simeon ben Jochai —- der bekannte Kabbalist und angebliche Verfasser des Sohar im Midrasch Schocher tob, Kap. 8 der früheren Mischna gerade entgegen: Nm7!£0 DIN n^n rf?i.i 'Np nt j’N nun’1? Wyo in mm'D nbu pN^> 'Na rjSlJtSf nj/BQ.-— Derselbe, ebenso Chulin 99 ». Ueberalll wo du R.. E. b. R. I. Ha-Galilis Rede findest, da mach§ dein Ohr, wie einen Trichter.

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