Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1843)
- Article
- Der Frankfurter Reform-Verein
- Date
- 1843-10-31
- Page
- Seite 351 (sequence 3)
- Language
- German
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351 ZU S. 5 Z. 7: Das, was hier, so wie in der Beklage zum Ffurter Journal Nr. 177. von der Beschneidung gesagt wurde, haben die Herren Reformsreunde dem würdigen Bekampferder Emancipation entnommen. Paulus widmet nämlich der Beschneidung einen ausführlichen Artikel im Staatslexikon von Rotteck und Welker S.-472. Die Frage, ob die Beschneidung zur Religion oder nur zur Nationalität der Juden gehöre, beantwortet er natürlich dahin, daß die Beschneidung nicht ein Zeichen der Verpflichtung zum Iudenthum, sondern eine Auszeichnung polrtisch er Natur für Schutzbundsgenoffen der Gottesmacht in weltlichen Dingen war. Dieses wohl zu bekämpfende Resultat ist ihm daher eine Waffe gegen die Emancipation, die er von dem Aufgeben dieses den Juden so heilige Gesetz bedingen will. (S. 478.) Sind wir es auch an Paulus gewöhnt, daß er mit solchen Waffen gegen die Erlangung unserer Rechte kämpft, und gab es auch eine Zeit, wo man glaubte, Konzessionen machen zu muffen (ek. die Epistel an Paulus von Di\ H e ß und M. Creitznach), so glaubten wir, daß Rieß er's treffliche Schriften, in denen er so wahr wie schön darlezt, „daß es rechtlos'sei, wenn der Staat eine gemeinsame Reform der religiösen Ansichten der Juden, ein gemeinsames Ablassen selbst von dem allergeringfügigsten Gebrauch, da wo dieser nicht wirklich mit einer für alle gültigen Vorschrift kollidirt, zur Bedingung der Ertheilung aller den Juden vorenthaltenen Rechte mache," wenigstens das bewirkt hätte, daß ein kleines anonymes Häuflein es nicht wagen würde, unaufgefordert und ohne von der Judenschaft hierzu bevollmächtigt zu sein, dem Staate so wichtige Koncessionen zu machen * daß kein solcher Verrath von Männern geschmiedet würde, die sich früher in die vorderen Reihen des Emanciparionskampfes gestellt haben. Eine solche offene Anerkennung der Scheingründe unseres Gegners schadet mehr, als die offene Anerkennung talmudischer Satzungen. Zu S. 5 Z. 23: Bedurfte das Erkennen dieser Wahrheit erst den Nachweis der „erwählten Geister" hierzu? Wurde es uns nicht immer zum Vorwurf gemacht, daß wir uns im Bewußtsein dieses höchsten geistigen Gutes die auserwählte Nation nannten? Zu S. 5 Z. 30: Dieser Vorwurf gilt wahrscheinlich dem Vers, der „Halachischen Exegeseder Religionsphilosophie und der Messiaspredigten von Or. Hirsch. Diese Gelehrten werden dem Vers, des Programms die Antwort nicht schuldig bleiben. Zu S. 5 Z. 31: Als sie nothwendig und mit dem Prmcip unserer Religion übereinstimmten. Zu S. 6 Z. 6: Herr Or. Creizenach, der eine Literaturgeschichte herauszugeben beabsichtigt, ist noch nicht an die M e n d e l s o h n'sche Periode gekommen. Zu S. 6 Z. 8: Sollte wol heißen: von allen positiven F o r m e n z u l ä u t e r n. Zu S. 6 Z. 16: Z. B. den Festgelagen am Versöhnungstage nicht beizuwohnen. Zu S. 6 Z. 18: Warum nicht auch aus dem Mosaismus, in dem, wie Sie ja selbst sagten, sogar ein Spinoza das höchste geistige Resultat fand? Zu S. 6 Z. 19: Creizenach, dem Dichter, könnten wir allenfalls die steten Permutationen und Kombination von den biblischen, talmudischen und rabbinischen Gesetzen Nachsehen, den Reformatoren aber müssen wir einmal eine genaue Definition abfordern, was Mosaismus, was Judenthum und talmudisch-rabbinisches Judenthum sei. Zu S. 6 Z. 21: Dr. Stern nennt dies in seiner „Privatansicht" das reine Pflichtgefühl der Pietät. Zu S. 6 Z. 23: Wird von Dr. Stern bestritten. Au S. 6 Z. 32: Welche Form bieten aber unsere Reformsreunde demjenigen, der sich nach einer Form sehnt, dem aber die bedeutungslosen Aeußerlichkeiten der jüdischen Religion nicht genügen? Zu S. 6 Z. 33: Haben Sie diese Prädikate des Judenthums bald erschöpft? Zu S. 7 Z. 2: Die Ihrer Erziehung und Ihrem Unterricht anvertraut sind. Zu S. 7 Z. 6: , wozu die Schriften der Reformstcunde das Ihrige beitragen. Zu S. 7 Z. 8: So wie man über eine Sache eine Meinung haben kann, die man so wenig kennt, wie die Reformfreunde das Judenthum. Zu S. 7 Z. 19: Wir muffen reformatorische Theologen haben, diese werden sich dann, aber auch nur dann finden, wenn sie sich auf Gründe stützen können, und solche Genie en können ja nur aus einem Vereine hervorgehen." (Stern's Privatansicht.) Zu S. 7 Z. 26: Dieses glauben wir nicht eher, als bis der Verein eine bestimmte Definition giebt, was reiner Mosaismus, was der Kern und was die Schale sei. In Bezug auf die Erklärung: so hätte ich in Bezug auf den dritten Punkt Folgendes zu bemerken: Wir sehen hier zum Erstenmal eine Erscheinung, wovon die Religionsgeschichte kein ähnliches Beispiel aufzustellen vermag. Eine Religion nur aus Negationen bestehend, zu welchen Nichtglaubensformen sich die Beitretenden schriftlich verbinden müssen. Während der reine Mosaismu s, den diese Herren der Reform immer im Munde führen, keine Glaubenssätze vorschreibt, „weil der Glaube keine andere Befehle annimmt, als die auf dem Weg der Ueberzeugung zu ihm kommen, daher solche nur als Folge der innern Erkenntnis; der Betrachtung vorgelegt werden," haben unsere Reformsreunde sogar Nichtglaubensjätze ihrer Religion zu Grunde gelegt. Welche Bürgschaft kann aber der schwache Geist.des Menschen geben, für den nur mathematische Wahrheiten evident sind, daß ein vernünftig Rechtlicher die Unwandelbarkeit der ausgestellten Grund- und Heischesätze der Reformfreunde