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Der Orient · 1843-10-31 · Heft 44 (31.10.1843) · p. Seite 352

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 44 (31.10.1843)
Article
Der Frankfurter Reform-Verein
Date
1843-10-31
Page
Seite 352 (sequence 4)
Language
German
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352 mit seiner Unterschrift besiegeln darf? Welche Sicherheit gewährt selbst die Unterzeichnete Erklärung, wenn auch solche im Momente der Unterzeichnung mit Aufrichtigkeit und Wahrheit abgegeben, wurde, daß nicht eine Minute nachher die beigebrachte Erkenntniß erschüttert und ein Rückfall in die alte ■■ Denkweise stattsindet? Würden nicht vielleicht die Koryphäen der Reformfreunde selbst einem Messias entgegenharren, wenn etwa der wiedererstehende jüdische Staat ihnen reichbesoldete Aemter und Ehrenstellen anbieten würde? Nun nur noch einige Berichtigungen: Ueber die Beschneidungsangelegenheit haben Sie einige falsche Berichte ausgenommen. In einer Notiz Ihres Blattes heißt es, die Entscheidung werde deshalb verzögert, weil der regierende Bürgermeister ein getaufter Jude sei, während die Ursache dieser Verzögerung nur darin ihren Grund hat, weil derSenats-Kommiffär des Gemeinde-Vorstandes schon zwei Monate bei der Zoll-Konferenz in Berlin ist, dessenungeachtet aber bei jüdischen Angelegenheiten nothwendig ist. Diese Woche wird dem Senate die zwelte Abtheilung der rabbinischen Gutachten übergeben, unter denen die von Rapaport und Mannheimer sind. Der Druck derselben ist noch nicht bestimmt, da die Auswahl schwer zu treffen ist und alle abzudrucken starke Kosten verursacht. K. Die Juden in Italien. (Fortsetzung.) Innocenz IV. machte den Büchern der Juden den Krieg. Er schrieb an den König von Frankreich, um auch ihn zu bewegen, daß er in seinem Königreiche den Talmud verbrennen ließe; Dabei sprach er die Juden selber aber von den Missethaten frei, die ihnen schuld gegeben wurden, und wollte gerade damit, daß er ihre Bücher verbrennen ließ, es verhindern, daß sie selbst verbrannt würden. Eine seiner Verordnungen würde vielen Verbrechenvorgebeugt haben, wenn sie immer besolgt worden wäre. Ihr zufolge sollte eine Anklage wegen Ermordung von Christenkindern nur dann zulässig sein, wenn sie von drei Inden und drei Christen bezeugt würde, im entgegengesetzten Falle aber sollte der Denuneiant selber die Strafe eines Mörders erleiden. Aus einer im Jahr 1267 durch Clemens IV. erlassenen Bulle ergiebt sich, daß die Juden Proselyten zu machen beflissen waren; denn er beklagt sich darin, daß Christen zum Iudenthuin übergingen, und befiehlt den Inquisitoren, die Christen zu belangen, die sich der Beschneidung unterzögen, so wie die Juden, die sie dazu beredet hätten. Diese Maaßregeln scheinen jedoch nicht von großem Erfolg gewesen zu sein, denn ungefähr fünf und zwanzig Jahre darnach muß der hebräische Proselytismus doch weitere Fortschritte gemacht haben, indem Nicolaus IV. sich veranlaßt sah, die Bulle seines Vorwesers zu erneuern. Da sich auch die Ehen unter Christen und Juden wieder gemehrt hatten, so geboten die Koncilien nun deren Scheidung, unter Strafe der Exkommunikation. „Es darf," sagten sie, „keine Gemeinschaft zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen statrsinden." Bonifaz V!1l. zeigte sich nachsichtiger, indem er der Frau, die eine solche Ehe eingegangen war, nur die Mitgift nahm. Das war eine sonderbare Sanktionirung, vermöge welcher nach der gewöhnlichen natürlichen Ordnung gerade der schwächere Theil litt. Ob das eine versteckte Schmeichelei hat sein sollen! Die, im vierzehnten Jahrhundert erfolgte, Verlegung des heiligen Stuhles nach Avignon war den Juden in Italien nicht gerade nachteilig. Die neue Residenz des Papstes wurde die Zufluchtsstätte einer Menge Israeliten, die vor ihren Verfolgern in Spanien, Frankreich und Deutschland flohen. Clemens V. bewilligte ihnen die Gastfreiheit, und nahm sie gegen die Pastoralen in Schutz; doch war der Bann, den er wider diese blutdürstigen Unholde erließ, von keinem erheblichen Erfolge. Die Einteilung Italiens in eine Menge von Staaten hat, wie Herr Depping bemerkt, dazu beigetragen, daß die Lage der Juden dort weniger unglücklich als in andern Ländern war. Wenn einer dieser Staaten sie unterdrücken wollte, nahm sich ein anderer ihrer an. So sicht man wie die Legislatur bis zum achtzehnten Jahrhundert ohne Stetigkeit war . und die Verfügungen ohne Unterlaß schwankten und mit ein- - ander im Widerspruch standen. Trotz dem erging es den Juden im vierzehnten Jahrhundert gut. Wahrend sie anderer Orten der Vergiftung von Brunnen und Flüssen beschuldigt und dieser Dummheit wegen umgebracht wurden, blieben sie in Italien verschont. Diese Sicherheit trug auch ihre Früchte. Die Juden leg- . ten sich mit Eifer auf Handel und Industrie, und Benjamin von Tudela erwähnt unter Anderem Färbereien, die er von ihnen betreiben gesehen hat, als er Italien besuchte. Man gab den Juden iudeß schuld, daß sie das Volk durch Wucher drückten; damit mag es auch wohl feine Richtigkeit gehabt haben; doch ist nicht zu übersehen, daß sie auch einen schweren Stand in der Konkurrenz mit den italienischen Bankiers zu bestehen hatten. In dem Betriebe der Wisienschaften und der Literatur blieben sie dabei nicht zurück. Sie gründeten zu Bologna eine Akademie, aus welcher talentvolle berühmte Rabbiner hervorgegangen sind, deren Kenntnisse auch eine Nacheiferung der Kirche zur Folge hatten. Es wurden hebräische Professoren bei den Akademien angestellt, die Clemens im Jahr 1320 angelegt. Der Papst Johann XXII. fand indessen, daß es bequemer war, den Talmud zu verbrennen, als ihn zu widerlegen. Zu Bologna werden noch jetzt geheiligte Bücher aus dem höchsten Alterthum vorgezeigt, die sich von der jüdischen Akademie herschreiben. Die Familie derNarim, die sich unermeßliche Reichthümer erworben hatte, ließ zu Bologna eine Synagoge bauen, die durch ihre Größe und Schönheit ein Gegenstand der Bewunderung aller Reisenden war. (F. fl) Verlag von C. L. Fritzs ch e. Druck von I. H. N a g e l.

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