Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 43 (24.10.1843)
- Article
- Missions-Wesen und Unwesen
- Date
- 1843-10-24
- Page
- Spalte 675-676 (sequence 2)
- Language
- German
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675 Missions-Wesen und Unwesen 676 unangenehmes, als Mensch ihm sehr schmerzliches, mit Gewalt von sich zu entfernen sucht. Aus diesem letzter» Grunde mag es kommen, daß im Ganzen wenig gegen dergleichen Trakta'tlein von Seiten der deutschen Juden eingeschritten wird. Wer beschäftigt sich auch gern mit offenbarer hämischer Lüge und Bosheit? Man ist zufrieden, daß sie ohne einen andern Nachtheil, als den, der für sie selbst daraus erwächst, zu erreichen, wieder auf sich selbst zurückfällt. Nach meinem Dafürhalten schien es mir freilich zuweilen nöthig, diese Traktätlein nicht so ganz zu ignoriren, sondern solche hin und wieder in ihrer erbärmlichen Blöße darzustellen, und hatte ich auch deshalb bereits früher einmal eine Traktätleinsschau begonnen. Vielleicht aber auch ist es besser ganz hierüber zu schweigen z da 1) die Lüge zu großer Ausdehnung nach allen Seiten hin fähig ist, daher bei einer begonnenen Widerlegung kein Ende abzusehen wäre; 2) aber in der Wirkungslosigkeit alles und jedes Traktätleins, die Antwort genügend klar zu Tage liegt. Dieses muß also der bessern Einsicht unsrer Ehrenwächter, wozu ich namentlich die Redakteure der israelitischen Zeitblätter rechne, überlassen bleiben. — Anders aber ist es mit der zweiten, mit der polnischen Richtung. — Hier muß man in der That gestehen, daß sie ihren Zweck öfter erreicht; und Oer Grund ist wohl nicht hauptsächlich, wie zumeist abgcurthejlt wird, im Eigennutz der Täuflinge, sondern tiefer zu suchen. Zwar ist das Volksurtheil in so fern richtig, als mancher Getaufter, nachdem er erst einmal den N u tz e n der Taufe kennen gelernt und sich über solche weggesetzt hat, zur weitern Beförderung seiner — körperlichen und weltlichen — Wohlsarth, und um auch andere Missionäre zu erfreuen, einen andern Namen annimmt und sich nachmals und so oft es nur angeht, taufen läßt; — daher rühren auch die von den Missionären ausposaunten großen Resultate ihres Wirkens bei den polnischen Juden, die in der Wirklichkeit nur unbedeutend sind — aber gleich beim Beginn, da liegen tiefere Motive zu Grunde. Eigennutz allein kann es schon deshalb nicht sein, da es dann erst keiner Missionäre bedürfte, um die polnischen Juden zum Christenrhum zu verlocken. Wäre die verbesserte bürgerliche Stellung an und für sich nicht schon für den Eigennutz genug, um zur Taufe zu bewegen? Und doch geschieht es ohne Missionäre nur sehr selten, muß also durch diese einen eignen Beweggrund erhalten und den ich hauptsächlich im Lesen des durch die Missionäre zugänglich gemachten Testaments — so nenne ich, nach dem Briefe an die Hebräer 9, 16. 17. den christlichen Kanon, den jüdischen dagegegen die Bibel, wir haben kein Testament: uns ist Keiner gestorben, uns kann Keiner sterben! — finde. Mit Traktätlein darf man dem polnischen, meist talmudistisch gebildeten Juden, der ihre Schwäche bald durchschauet, nicht kommen. Dagegen rechnet man auf seine leichlbewegliche, orientalische Phantasie, auf die durch Studium des Talmuds ihm innwohnende, eigenthümliche Dialektik — wie sie der Brief a. d. Hebr. so getreulich wiedergiebt— auf die durch das Lesen kabbalistischer Schriften in ihm geweckte Mystik, — die wieder im vierten Evangelium und in der Apokalypse, wie auch hin und wieder in den Briefen Nahrung findet — und hat daher die Wahrscheinlichkeit durch Darreichung des Testamentes, meist tu hebräischer Übersetzung, am besten seinen Zweck zu erreichen. Nachgcholfen wird dann noch, durch einige, dem polnischen Geschmack nach zürechtgemachte Bibelverse, die, je spitzfindiger, desto besser, vom Messias und seiner Ankunft zeugen müssen. Diese Lektüre gefallt nun häufig den oft nicht sehr bibelfesten Polen; sie finden darin so viel Bekanntes, daß sie das Fremde ganz übersehen, oder es, als zu unbedeutend, nicht beachten, und so die, besonders im Ehasidismus schon ziemlich vorbereitete Bekehrung x) blitzschnell macht, wie man häufig auch in den Missionsberichten findet, daß bei diesem und jenem Rabbi durch das Lesen des Testamentes die Gnade zum Durchbruch gekommen rc. Wie nun aber nach der homöopathischen Regel similir» I simiiibüs, eine Krankheit durch ein ähnliches Leides erzeugendes : Mittel geheilt wird, so glaube ich auch gerade in einer; Ausgabe des Testaments für Juden — die jetzige hebr. Uebersetzung könnte sogar beibehalten, und nur auf die, wie es scheint, nicht ganz ohne Absicht, vorkommenden Abweichungen gegen das Original aufmerksam gemacht werden — mit einem einfachen Kommentar, -er das Begründetsein der meisten Lehren und Ideen im Judenthum nachwiese, die abweichenden aber historisch entwickelte und erklärte, das Gegengewicht für Bekehrversuche zu finden, und dürste sich eine solche wohl von Nutzen erweisen. Nur müßte man einstweilen das Ausschweisen auf fremde Gebiete soviel wie möglich vermeiden und sich nur auf Bekanntes beschränken: um von Vornherein durch bekannte, oder leicht aufzufindende Thatsachen anzuziehen. Uebrigews dürste von dem Tone der strengsten Wissenschaftlichkeit nicht abgewichen, und nur so die Erscheinung des Christenthums, von Galiläa aus, in dem sonst durch und durch gesunden, zu keiner Zeit irgend 1) Um diesen, scheinbar vorschnellemAusspruch und dabei, auch zugleich zu erweisen, wie Sektirerei, Unwissenheit und Ucberspannung zu allen Zeiten und in allen Zonen mit einander sympathisiren, will ich Einiges aus einem mir vorliegenden unedirten Manuskript eines Chasids, aus dem Jahre 17ü4 hersetzen und es Jedem überlassen, sich Parallelstellen dazu zu suchen. iPnD lPO» iriN DEOyn to. Pdn , D)bw um uso ipia mm ’“djP irm DD-irt) man o , jiu iw wd'toi uwt? mp _ diP UN , DD“) HDD DD”pD p’N njoi “iim i"ijq — nsyjoi , und om in D'iDDDty , cptMN .norm jnr> .Dr6 ■hew Dmi e»n -pro -fi'b min >112' nD’p nnny px in uPt? idd djw D’iyi dn Pdn nnjn nDD uni DipjiPi ddti1? >11212 nw cnrn ]\\ vfap ni DM , tapo UW nDpD “1DJW 1^’DN , no, — .D’KTIp D'I'DID